{"id":10643,"date":"2022-08-18T18:38:17","date_gmt":"2022-08-18T16:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/?p=10643"},"modified":"2022-08-20T10:53:22","modified_gmt":"2022-08-20T08:53:22","slug":"von-der-natur-der-zwischenwelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2022\/08\/18\/von-der-natur-der-zwischenwelten\/","title":{"rendered":"Von der Natur der Zwischenwelten"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen-alte-seite\/krcmarova-rhea\/\">Rhea Krcm\u00e1rov\u00e1<\/a> liest in Berlin <em>Hecken sitzen <\/em>von <a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen-alte-seite\/seisenbacher-maria\/\">Maria Seisenbacher<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:17px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#00a35f\">NEUE SERIE: Die POESIEGALERIE hat einzelne Autor*innen gebeten, \u00fcber ihre Sommerlekt\u00fcren zu schreiben. Ab sofort wird w\u00e4hrend der Monate August und September alle 3-4 Tage ein Text erscheinen, in denen die Eingeladenen \u00fcber ihre Lekt\u00fcreerfahrungen reflektieren. Dabei haben wir den auf der POESIEGALERIE \u00fcblichen Fokus auf &#8222;\u00f6sterreichische Literatur&#8220; aufgegeben und den Autor*innen freie Hand bei der Wahl gelassen, gleich aus welcher Epoche, Weltgegend oder Sprache das Buch stammt. Wir freuen uns sehr \u00fcber die vielen Texte und die gro\u00dfe Diversit\u00e4t der Leseinteressen, die die Autor*innen in den kommenden Wochen mit uns allen teilen werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#00a35f\">Den Anfang macht Rhea Krcm\u00e1rov\u00e1, die f\u00fcr die POESIEGALERIE den Instagram-Account <a href=\"http:\/\/instagram.com\/poesiegalerie\">instagram.com\/poesiegalerie<\/a>  betreut und sich mit ihrer Wahl des neuen Gedichtbands von Maria Seisenbacher noch in heimischen literarischen Gefilden bewegt, wenn auch von Deutschland aus. Rhea Krcm\u00e1rov\u00e1s Instagramlyrik kann man auf ihrem Account <a href=\"http:\/\/Instagram.com\/rhea_krcmarova\">instagram.com\/rhea_krcmarova<\/a> verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Berlin, Britz-S\u00fcd, einer der Abende in der Mitte des Sommers. Vor der&nbsp;U-Bahnstation&nbsp;eine Bushaltestelle, in einiger Distanz ein fragw\u00fcrdig&nbsp;umgesetztes&nbsp;Geb\u00fcschquadrat, ausged\u00f6rrt von vergangenen Sommertagen, umz\u00e4unt von kniehohen Waschbetonquadern, dekoriert von Kippen und Papier\u00fcberresten. Auf den Quadern krabbeln Ameisengeschwader, und zwischen ihnen: ich, sitzend unter Hecken,&nbsp;sanft die Insekten von meinen Armen sch\u00fcttelnd.&nbsp;Gestrandet an diesem&nbsp;<em>liminal place<\/em>&nbsp;nach einer Reihe von ungeplanten Umstiegen, der von Google Maps versprochene Bus nicht vier, sondern vierzig Minuten entfernt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Der Blick entzieht dem Auge die Welt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Trost: Maria Seisenbachers Lyrikband&nbsp;<em>Hecken sitzen<\/em>. An diesem Un-Ort finde ich unerwartete Ruhe f\u00fcr ein Buch, das seit Dezember auf meinem B\u00fccherstapel liegt und in das ich in den&nbsp;(turbulenten)&nbsp;letzten Monaten nur hineingelesen hatte. Zwischen 60er-Jahre-Bauten und vernachl\u00e4ssigten Parkausfransungen tauche ich in mythisch angespielte Naturbeschreibungen, in angedeutete&nbsp;Normalit\u00e4tsverschiebungen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-1024x768.jpeg\" alt=\"Rhea Krcm\u00e1rov\u00e1 mit Gedichtband von Maria Seisenbacher\" class=\"wp-image-10650 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-150x113.jpeg 150w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-370x278.jpeg 370w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-800x600.jpeg 800w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-20x15.jpeg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-185x139.jpeg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-740x555.jpeg 740w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-400x300.jpeg 400w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220807_1928352-64x48.jpeg 64w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><em>Foto \u00a9 Autorin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>verzogen in die Nachthaut<\/em><br><em>begrenzen Hecken den Verstand<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Hecke: eine Grenze. Zwischen Kultur und Natur, zwischen Wirklichkeit und \u201eAnderswelt\u201c, zwischen der Welt der Menschen und der Mythen. Genau dort ist Seisenbachers bei Limbus Lyrik erschienener Gedichtband angesiedelt. Die Texte der in Wien geborenen Autorin nehmen die Leserinnen und Leser \u2013 nehmen mich \u2013 mit auf eine Reise ins&nbsp;Au\u00dfer-Urbane.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Waldboden<\/em><br><em>Einfriedungen der Schritte<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seisenbacher und ihr Buch sind mir vor Weihnachten bei einer Limbus-Lesung in der Wiener Buchhandlung Orlando begegnet. Als jemand, die sich seit langem in die Themen Mythologie, Magie und ihren Schnittstellen zur Moderne vertieft&nbsp;und&nbsp;sie auch in den eigenen&nbsp;Texten immer wieder aufgreift, interessiert mich immer, wie andere Schreibende damit umgehen. Zu meinen liebsten Gedichten z\u00e4hlen z.B. die der US-Autorin Catherynne M. Valente, die mit Elementen von Mythen und Sagen spielen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Seisenbachers Buch machten mich nicht nur&nbsp;die gelesenen Ausschnitte, sondern auch der Magie versprechende Titel <em>Hecken sitzen<\/em>&nbsp;neugierig. Der Einf\u00fchrungstext vor dem eigentlichen Buch erz\u00e4hlt vor \u201eHeckensitzerinnen\u201c, alten Frauen, denen die F\u00e4higkeit nachgesagt wurde, sich mit Welten jenseits der Wirklichkeit zu verbinden \u2013 so wird das althochdeutsche Wort f\u00fcr Hexe, Hagazussa (von dem sich auch das englische \u201ehag\u201c ableiten soll) mit dem Wort f\u00fcr Zaun\/Hecke in Verbindung gebracht.&nbsp;Auch die Gedichte sind keine&nbsp;reine Botanikbeschreibung, sie lassen eine \u201eNatur\u201c entstehen, in der das Herk\u00f6mmliche subtil auf das \u201eAndere \u201c,&nbsp;das \u201eMagische\u201c trifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Andeutungen auf Magie und Rituale ziehen sich durch das gesamte Buch, so hei\u00dft es in einem der (namenlosen) Gedicht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>lege Eschenrinde&nbsp;<\/em><br><em>unter meine Zungen<\/em><br><em>und verspreche Buchstaben<\/em><br><em>die gleich der Innenwurzel wachsen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Maria Seisenbacher schreibt mystisch, aber dennoch nicht sentimental \u2013 sie verkn\u00fcpft mythologische Motive mit Symbolen der Moderne, fragmenthafte Naturbeschreibungen kontrastiert sie mit detaillierten Beobachtungen von K\u00f6rperlichkeit.&nbsp;Das Buch schw\u00e4rmt nicht von der Natur, sondern nimmt sie wahr, auch den Status Quo der zerst\u00f6rten, schwindenden Flora. Dabei zeigt die Autorin nicht mit dem Zeigefinger auf wunde Stellen, sondern l\u00e4sst die Lesenden&nbsp;selbst sie&nbsp;durch Andeutungen und Leerstellen hindurch ahnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>fliegender Berg<\/em><br><em>im Fensterkreuz die zweite<\/em><br><em>Baumreihe l\u00e4ngst verschwunden<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seisenbachers&nbsp;Gedichte sind verdichtet, verknappt, manche entfalten ihre stille Wucht auf gerade einmal ein oder zwei Zeilen.&nbsp;Die Leerstellen lassen Denkr\u00e4ume zu, und erschaffen in mir Bilder, die sich dem rationalen Denken entzieht. Diese Art des Schreibens macht f\u00fcr mich die Art von Kunst aus, die ich am spannendsten finde \u2013&nbsp;wenn sie mich nicht nur auf der intellektuellen Ebene&nbsp;herausfordert, sondern&nbsp;mich&nbsp;auch emotional\/sinnlich&nbsp;anspricht.&nbsp;Und mich \u2013 unter durstenden Hecken sitzend \u2013 nicht vorhandene Busse vergessen l\u00e4sst, windlose Berliner Abendhitze und \u00fcber meine Arme krabbelnde Ameisen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:52px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:20% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"409\" height=\"670\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9894 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen.jpg 409w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-92x150.jpg 92w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-370x606.jpg 370w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-185x303.jpg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-20x33.jpg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-400x655.jpg 400w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-Seisenbacher-Hecken-sitzen-29x48.jpg 29w\" sizes=\"(max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der Band <a href=\"https:\/\/limbusverlag.at\/index.php\/heckensitzen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Hecken sitzen<\/em><\/a> von <a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen-alte-seite\/seisenbacher-maria\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Maria Seisenbacher<\/a> erschien mit Illustrationen von Isabel Peterhans im Limbus Verlag, Innsbruck 2021. 96 Seiten. Euro 15,-<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p id=\"block-dd1e9bdc-7c64-42ab-82a2-af4fe1c7844e\"><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sommerlekt\u00fcren 2022: Rhea Krcm\u00e1rov\u00e1 liest in Berlin den Gedichtband &#8222;Hecken sitzen&#8220; von Maria Seisenbacher<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10658,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[467],"tags":[301,254,466],"thb-sponsors":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Von der Natur der Zwischenwelten - Poesiegalerie<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Rhea Krcmarova liest den Gedichtband &quot;Hecken sitzen&quot; von Maria Seisenbacher, der 2022 im Limbus-Verlag erschienen ist.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2022\/08\/18\/von-der-natur-der-zwischenwelten\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Von der Natur der Zwischenwelten - 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