{"id":10812,"date":"2022-09-02T14:15:18","date_gmt":"2022-09-02T12:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/?p=10812"},"modified":"2022-09-02T22:28:39","modified_gmt":"2022-09-02T20:28:39","slug":"hammerschmid-verfeinstofflichte-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2022\/09\/02\/hammerschmid-verfeinstofflichte-zeit\/","title":{"rendered":"Verfeinstofflichte Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen-alte-seite\/hammerschmid-michael\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Michael Hammerschmids<\/a> <strong>Begegnung mit Adam Zagajewskis <\/strong><\/strong><br><strong><strong>2003 erschienenen Gedichtband <em>Die Wiesen von Burgund<\/em><\/strong><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>in memoriam&nbsp;Adam Zagajewski, der am <br>21. M\u00e4rz 2021 mit 75 Jahren verstorben ist<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Adam Zagajewskis \u201eDie Wiesen von Burgund\u201c fand ich vor bald zwei Jahrzehnten nach einer Lesung im Berliner Literaturhaus in der dortigen Buchhandlung. Die Ledertasche, die ich damals trug, schr\u00e4g \u00fcber die Schultern und stets zu voll wegen der B\u00fccher, die ich nicht zuhause lassen konnte, sondern mit dabeihaben wollte, bot gerade noch genug Platz. Das Buch verlie\u00df mich in der Folge nicht mehr. Nistete sich in meiner Tasche und meinen Folgetaschen ein und versorgte mich fortan mit dem Stoff der Phantasie, des Nachdenkens, Vorstellens, den es wie ein von Sonne aufgeladener Stein gespeichert hielt. Das mir so k\u00f6rpernahe Buch mit seinem Ausschnitt aus Nicolas Poussins \u201eLandschaft mit Diogenes\u201c auf dem Cover, das Distanz und Verlockung zugleich zum Ausdruck bringt, beginnt mit dem Gedicht \u201eSprache\u201c:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Eingesperrt im wei\u00dfen K\u00e4fig\nVersucht sie bei kleinster Luftbewegung zu fliehen<\/pre>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:auto 38%\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"730\" height=\"1024\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-730x1024.jpeg\" alt=\"Zeichnung von Michael Hammerschmid des Covers des Gedichtbands &quot;Die Wiesen von Burgund&quot; von Adam Zagajewski\" class=\"wp-image-10813 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-730x1024.jpeg 730w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-214x300.jpeg 214w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-107x150.jpeg 107w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-370x519.jpeg 370w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-185x259.jpeg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-20x28.jpeg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-400x561.jpeg 400w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/die-wiesen-von-burgund_zeichnung.mh_.23.8.2022-orig-34x48.jpeg 34w\" sizes=\"(max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Die Sprache w\u00e4re also etwas, das eingesperrt ist, was ja hei\u00dft, sie ist eigentlich frei, doch ist ihr K\u00e4fig wei\u00df, wie das Blatt Papier vielleicht, und sie ist derart rezeptiv, empfindlich, dass sie \u201ebei kleinster Luftbewegung zu fliehen\u201c versucht. H\u00f6chste Aufmerksamkeit, Behutsamkeit im Umgang mit ihr leitet sich von diesem Bild ab, in dem vermittelt auch von der Gefahr die Rede ist, sie ans Gef\u00e4ngnis zu verlieren. Projiziert man das Bild in die Zeit kommunistischer Staatsrepression in Polen, der der Erneuerer der polnischen Dichtung Adam Zagajewski (er war einer der Mitbegr\u00fcnder der sogenannten \u201eNeuen Welle\u201c) derart ausgesetzt war, dass er Anfang der 80er Jahre \u00fcber West-Berlin und die USA nach Paris floh, so l\u00e4dt sich dieser K\u00e4fig noch einmal anders auf, auch wenn das Gedicht lange nach dieser Erfahrung geschrieben sein mag. Die Dichtung erscheint als ein autonomes Wesen mit Hang zur Fluchtbewegung. Deshalb braucht es die Freiheit umso mehr, um ihr Raum zur Entfaltung zu geben. Die Luzidit\u00e4t des Bildes selbst scheint jedenfalls kein Entkommen zuzulassen, als ginge es um \u201eAlles oder Nichts\u201c\u00a0und das hei\u00dft f\u00fcrs Gedicht um h\u00f6chstm\u00f6gliche Aufmerksamkeit und gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche sprachliche Nuanciertheit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00a9  Zeichnung: Michael Hammerschmid<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bl\u00e4ttere im Band. Irgendwo hineingetaucht, aufgebl\u00e4ttert, und wieder springt mir ein erster Gedichtvers entgegen (S.63):&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Literarische Ratten - sagt R. - das sind wir.<\/pre>\n\n\n\n<p>Auch hier reichen diese wenigen Worte, um meine Aufmerksamkeit ganz auf sich zu ziehen. Man m\u00f6chte am liebsten zustimmen und sich zu diesen Ratten z\u00e4hlen, wahrscheinlich ihrer Intelligenz und K\u00fchnheit wegen, die man ihnen nachsagt. Doch wird man die Ironie dieses Sprachbildes&nbsp;im selben Zug bemerken, die einem jeden Anflug von Heroik bei der Identifikation mit den gleichzeitig doch so schlecht beleumundeten Ratten fragw\u00fcrdig erscheinen lassen muss. Ja, Adam Zagajewski versteht es, den Grat zwischen Bejahung und Zweifel, zwischen&nbsp;Verf\u00fchrung und Abgr\u00fcndigkeit ganz genau zu gehen.&nbsp;Ich bl\u00e4ttere noch einmal in dem Gedichtband weiter und werde wieder von ersten Versen eines Gedichtes angezogen, das zuf\u00e4llig wieder mit einem abgek\u00fcrzten Namen, diesmal allerdings im Titel, arbeitet:&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">F\u00fcr M.\nUnter den Sternen eines anderen Himmels lag ich \num Mitternacht im schwarzen Gras. \nDie Mitternacht atmete langsam, l\u00e4ssig, \nund ich dachte an dich, an uns, \nan die Augenblicke, strahlend und stechend, \ndem Ged\u00e4chtnis wie ein Stachel \nder schlanken Athletenferse entnommen.\n(\u2026) \n<\/pre>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:auto 46%\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"965\" height=\"909\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022.jpg\" alt=\"Michael Hammerschmids Zeichnung einer Umh\u00e4ngtasche mit dem Gedichtband&quot;Die Wiesen von Burgund&quot; von Zagajewski Michael \" class=\"wp-image-10800 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022.jpg 965w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-300x283.jpg 300w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-150x141.jpg 150w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-768x723.jpg 768w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-370x349.jpg 370w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-800x754.jpg 800w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-20x19.jpg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-185x174.jpg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-740x697.jpg 740w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-400x377.jpg 400w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Tasche-mit-Zagajewski_23.8.2022-51x48.jpg 51w\" sizes=\"(max-width: 965px) 100vw, 965px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Wie schwarz ist dieses Gras. So schwarz wie Gras noch nie in meiner Vorstellung war. Das Adjektiv heftet sich an das Substantiv und durchdringt es bis ins Kippbild von Verschwinden und \u00dcberdeutlichkeit. Ach, wie gerne l\u00e4ge ich zu Mitternacht in diesem Gras, und brauche mich doch nicht mit diesem Ich zu identifizieren, um diese Sehnsucht zu sp\u00fcren. \u201eDie Mitternacht atmete langsam, l\u00e4ssig\u201c, die Wahl und die Kombination der Adjektive, Adverbien, sie geh\u00f6rt sicher zu den Besonderheiten und Eigenheiten von Adam Zagajewskis Dichtung. Und wieder schwingt eine Fremde in diesem Bild mit, die dem Autor als Geflohener auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Welcher andere Himmel mag das sein, unter dem dieses Ich liegt?<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00a9  Zeichnung: Michael Hammerschmid<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Und was f\u00fcr eine Mitternacht, die \u201elangsam, l\u00e4ssig\u201c atmete? Es k\u00f6nnte ein Himmel sein, der das Ich des Gedichts von seiner Geliebten trennt. Das Gedicht spricht von dieser Fremdheit, man k\u00f6nnte sie die schwarze Fremdheit nennen, und von der Sehnsucht, man k\u00f6nnte sie die schwarze Sehnsucht nennen und man k\u00f6nnte sie sich als eine Form der Melancholie vorstellen. Ich kenne das Original nicht, doch Karl Dedecius, der bedeutende \u00dcbersetzer und Vermittler polnischer Literatur, hat mit den beiden Adjektiven, die die Mitternacht charakterisieren, sichtlich etwas getroffen. Fast klingt es wie ein Widerspruch. Zu langsam klingt \u201elangsam\u201c, um l\u00e4ssig zu sein, und doch bereichern sich die beiden alliterierenden Worte, und die Mitternacht, ein kleiner Punkt in der Zeit, dehnt sich aus, wird gr\u00f6\u00dfer als er selbst, und so eigenst\u00e4ndig, weil er mit diesen beiden adverbial gebrauchten Adjektiven Charakter bekommt. Vielleicht k\u00f6nnte man sagen, die Erscheinungen, die Welt, die Ereignisse, Begebenheit und auch die Dinge und (ihre) Sprache bekommen in Adam Zagajewskis Poesie Charakter. Sie bekommen etwas, das ihnen auf den ersten, fl\u00fcchtigen Blick abzugehen scheint. Und sie verwandeln sich in seinen Gedichten in Substanz(en), nehmen dabei eine sinnliche Stofflichkeit und zeitlupenhafte \u00dcberdeutlichkeit an, die nicht zuletzt durch Reibung der Nuancen lebendige W\u00e4rme erzeugen kann. Adam Zagajewskis Gedichte lassen sich von hier aus als Inkarnationen von Zeit verstehen, als Inkarnationen geformter, dichterisch ausgeformter,\u00a0<em>verfeinstofflichter Zeit<\/em>.\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen wir noch ein St\u00fcck weiter in das Gedicht:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Eines Tages wurde das Meer dunkel, \nbedrohlich, Helmblumen des Sturms rasten \n\u00fcber die runzlige Wasserfl\u00e4che. \nEs h\u00e4tte auch die Kindheit sein k\u00f6nnen, \ndas Land der leichten Ekstase und des ewigen Verlangens, \nder rote Mohn im Munde des Nachmittags\nund die Kircht\u00fcrme, wachsen wie Kolibris. \n<\/pre>\n\n\n\n<p>Zweifellos eine Verdichtung von Vergleichen und Metaphern, eine Verdichtung im dichterischen Sinn, die mit einem erz\u00e4hlerischen Duktus (\u201eEines Tages\u2026\u201c) einsetzt. Nie gesehene, nie geh\u00f6rte Metaphern nehmen die Fahrt auf. Die Passage kulminiert im Bild der Kindheit, das \u00fcber die geradezu unmittelbar ber\u00fchrte Wasserfl\u00e4che vermittelt, eintritt, als \u201eLand der leichten Ekstase und des ewigen Verlangens, \/ der rote Mohn im Munde des Nachmittags \/ und die Kircht\u00fcrme, rasen wie Kolibris.\u201c Die Stilmittel scheinen der klassischen Poesie zu entstammen, freilich losgel\u00f6st von Reim und Versschemata, aber die Anwendung \u00f6ffnet sie von innen, transzendiert sie nahezu, und beweist, dass die Sprach- und sogenannten Stilmittel nicht aussch\u00f6pfbar sind, sondern steter Erneuerung harren. Und wieder \u00fcberrascht nicht zuletzt das Adjektiv, \u201eleichte Ekstase\u201c, eine h\u00f6chst ungew\u00f6hnliche Steigerung der Leichtigkeit und der Ekstase selbst. Der Ekstase n\u00e4mlich in etwas, das man mit ihr zu verbinden vergisst. Wildheit wird ihr wohl eher zugeschrieben als Leichtigkeit. Doch das Fenster der Sprache ist bei Adam Zagajewski weit offen, und die Ekstase wird leicht. Die Metapher \u201eder rote Mohn im Munde des Nachmittags\u201c scheint noch einen weiteren Gipfel der Ausdruckskunst draufzusetzen. Es ist ein sehr k\u00f6rperliches Bild sinnlicher Wahrnehmung, das diesen Nachmittag einholt, ja vielleicht \u00fcbertrifft. Mitternacht und Nachmittag, sie werden gleichsam zum sinnlichen Gegen\u00fcber des Zustands des Ichs, das sich erinnert, imaginiert, \u201eund die Kircht\u00fcrme, wachsen wie Kolibris\u201c. Eine Metapher, anlautend in der \u00dcbersetzung wie der \u201erote Mohn im Munde des Nachmittags\u201c, in dem die \u201em\u201c\u2019s buchst\u00e4blich zu schmecken sind, w\u00e4hrend Kultur, Religion, phallische Assoziation und Natur zu einem wahrlich ekstatischen Bild im Sinne der leichten Ekstase amalgamieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt noch ein weiterer Sprung in eines meiner wahrscheinlich am \u00f6ftesten von Adam Zagajewski gelesenen Gedichte mit Titel \u201eDas Zimmer\u201c, das uns an den Arbeitsort des Dichters f\u00fchrt, nahe an die Produktion heran, in die magische Kammer gleichsam, in der gearbeitet wird und in der dem Warten ebenfalls Raum gegeben wird, und das man vielleicht auch als \u201eErwartung\u201c \u00fcbersetzen k\u00f6nnte.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Das Zimmer \n\n\t\t<em>F\u00fcr Derek Walcott <\/em>\n\nDas Zimmer, in dem ich arbeite, ist sechseckig \nwie ein Spielw\u00fcrfel. \nDarin gibt\u2019s einen Holztisch\nvon starrk\u00f6pfigem b\u00e4urischem Umri\u00df, \neinen tr\u00e4gen Sessel und ein Teek\u00e4nnchen\nmit wulstiger Habsburgischer Lippe. \n\n(\u2026)\n\nManchmal blitzt in der Ferne die Scheibe eines Autos auf\n\n(\u2026)\n\nDas Zimmer, in dem ich arbeite, ist eine camera obscura. \nWas aber ist meine Arbeit - \nlange reglos warten, \nZettel wenden, geduldig meditieren, eine \nPassivit\u00e4t, die dem Richter mit gierigem Blick \nnicht gefallen w\u00fcrde.\nIch schreibe so langsam, als h\u00e4tte ich zweihundert Jahre zu leben. \nIch suche Bilder, die es nicht gibt, \nund wenn es sie gibt, dann zusammengerollt und versteckt\nwie der Sommeranzug im Winter, \nwenn Frost den Mund verletzt.\nIch tr\u00e4ume von absoluter Konzentration; f\u00e4nde ich sie, \nh\u00f6rte ich wohl auf zu atmen. \nVielleicht ist es gut, da\u00df mir so wenig gelingt.\u201c\n<\/pre>\n\n\n\n<p>Man sollte sich dieser Worte erinnern. Und dem Blitz der Zagajewskischen Poesie nachsp\u00fcren, der in der Sprache seiner Gedichte gespeichert ist und beim Lesen stets literarisch zu elektrisieren vermag.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:56px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:21% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"220\" height=\"318\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10799 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung.jpg 220w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung-104x150.jpg 104w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung-185x267.jpg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung-20x29.jpg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Cover-Zagajewski-die-wiesen-von-burgung-33x48.jpg 33w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der Gedichtband <em><a href=\"https:\/\/www.hanser-literaturverlage.de\/buch\/variation-ueber-das-thema-erwachen\/978-3-446-27298-9\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Wiesen von Burgund<\/a><\/em> von Martin Zagajewski erschien in der \u00dcbersetzung aus dem Polnischen von Karl Dedecius im Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2003. 168 Seiten. 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