{"id":17682,"date":"2024-02-27T08:00:00","date_gmt":"2024-02-27T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/?p=17682"},"modified":"2024-12-20T11:30:44","modified_gmt":"2024-12-20T10:30:44","slug":"peer-besprechung-pellmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2024\/02\/27\/peer-besprechung-pellmann\/","title":{"rendered":"Bange Stunden im All"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen-alte-seite\/peer-alexander\/\">Alexander Peer<\/a> liest <a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/tag\/fedor-pellmann\/\">Fedor Pellmanns<\/a> <em>Nur noch den Abend erreichen<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In einem dieser Texte hei\u00dft es, \u201ewenn wir mit den Jahren die H\u00e4rte der Knochen sp\u00fcren, wird es Zeit\u201c. Der Titel dieser Miniatur ist \u201eLost Places\u201c. Dieses Motiv geistert durch den Band. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:29% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"612\" height=\"1024\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-612x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17683 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-612x1024.jpg 612w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-179x300.jpg 179w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-90x150.jpg 90w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-370x619.jpg 370w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-20x33.jpg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-600x1004.jpg 600w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Pellmann-nur-noch-den-abend-29x48.jpg 29w\" sizes=\"(max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Viele dieser Arbeiten sprechen vom Verschwinden, das stets an einer  Hinterlassenschaft festzumachen ist. Es sind Spuren der Ausl\u00f6schung, die  hier zusammengeklaubt werden. Im gro\u00dfen Ganzen von der historischen  Geologie bis zum gro\u00dfen Teilchen, dem intimen Moment. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Cover \u00a9 Jung und Jung Verlag <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Eines dieser Gedichte nennt sich \u201eYucat\u00e1n\u201c und \u00fcbt die Perspektive einer Art, die vor uns das Aussterben zu lernen verstanden hat. Bekanntlich f\u00e4llt das Ende der Dinosaurier in das f\u00fcnfte Massenaussterben vor etwa 66 Millionen Jahren. In besagter Region des heutigen Mexiko hat ein folgenschwerer Asteroid eingeschlagen, der letale Arbeit geleistet hat. Im Verbund mit erh\u00f6htem Vulkanismus war die \u00c4ra der Saurier besiegelt. In Pellmanns Gedicht \u201eYucat\u00e1n\u201c erz\u00e4hlt uns ein Tlatolophus galorum \u2013 ein allem Anschein nach friedliebender Pflanzenfresser \u2013, wie er glei\u00dfendes Licht erblickt und sich aufl\u00f6st. Zur\u00fcck bleibt sein Bild im Stein.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">mein Gehirn geh\u00f6rt den Reptilien,\nich denke gelegentlich in Geysiren.<\/pre>\n\n\n\n<p>Verfl\u00fcchtigung, das Aufheben eines identifizierbaren Ichs und Isolation \u2013 das trifft auch auf die voneinander abgekapselten Menschen dieses Bandes zu. Zu dieser Vereinzelung tr\u00e4gt die Materialit\u00e4t des Industriezeitalters entscheidend bei, die in diesem Band ein Kontinuum darstellt. Jetzt spricht man nicht nur vom Klimawandel und der Ersch\u00f6pfung des Planeten, man benennt das Anthropoz\u00e4n als eine Epoche des sechsten Massenaussterbens. Werden wir die Kr\u00f6nung dieses Massenaussterbens sein? \u201eNur noch den Abend erreichen\u201c stellt die Diagnose: Ja.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Motivverwandlungen<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Gedicht \u201eAlter Mann und das Meer\u201c findet sich eine unmissverst\u00e4ndliche Anspielung auf den letzten Hemingway-Text. W\u00e4hrend der vereinsamte kubanische Fischer Santiago nach wochenlangen vergeblichen Ausfahrten auf einen Speerfisch trifft, mit diesem ringt und dabei als melancholischer Enkel des Kapit\u00e4n Ahab von Herman Melvilles <em>Moby Dick<\/em> erscheint, so ringt der alte Mann bei Pellmann mit dem festen Boden unter seinen F\u00fc\u00dfen, der immerzu schwankt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><em><strong>Alter Mann und das Meer<\/strong><\/em>\n\nJetzt kommt niemand mehr,\nich brauche nicht mehr zu warten.\nDie Freunde sind bei sich.\nMan kennt mich nicht mehr.\n\nBesser so. Nun bin ich hier.\nIrgendeine Stadt, irgendein Ort.\nIch kann noch Lebensmittel einkaufen, nun kenne ich mich.\nDie Worte bleiben im Haus, die Spazierg\u00e4nge\ndehnen sich, sie verstehen sich,\ndie Stunden bekommen ihre Namen,\nes gibt Gesichter.\n\nDa liegt das Brot, das ist\nder Tag, so ist der milde Abend,\nlaut die Nacht, sieh die Lichter,\nin wirren Worten und vor mir das Meer\nund die L\u00f6wen \u2026<\/pre>\n\n\n\n<p>Dieser stockende, fast in Erstarrung gefasste Alltag, der keine Beziehung mehr zu anderen oder zur unmittelbaren Umgebung zu gestalten vermag, versucht im letzten Bild noch Gr\u00f6\u00dfe abzurufen. Die L\u00f6wen. Der intertextuelle Verweis auf Hemingway betont den Charakter der Parabel. Der L\u00f6we als K\u00f6nig der Savanne ist bekannt. Es ist kein Geheimnis, dass das Tier f\u00fcr Macht, Lebenskraft und eine beachtliche Libido steht. Stellt sich jedoch der Verlust der Libido ein, dann ist die D\u00e4mmerung der Existenz und ihre furchtbar triviale Tragik erreicht. Diese D\u00e4mmerung pr\u00e4gt den Lichteinfall vieler hier versammelter Texte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kuratiert ist die Auswahl im \u00dcbrigen vom Autor Thomas Kunst, der vor kurzem den Erich-Fried-Preis erhalten hat. Pellmann legt hier den zweiten Gedichtband vor; sein Deb\u00fct <em>Au\u00dfengrenzen<\/em> erschien 2022 bei Abrazos.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Lyrik und lyrische Prosa<\/h4>\n\n\n\n<p>Es ist ein Existenzialismus des Alltags. F\u00fcr den Heros scheint sich keine Aufgabe mehr zu finden. Diese Miniaturen sind als Gedichte bezeichnet. Doch wird diese Klassifikation dem Band gerecht? Eine lyrische Prosa zeichnet sich durch eine vollst\u00e4ndige Syntax aus. In sechs Kapitel sind diese Miniaturen geordnet. Den Beginn macht das Kapitel \u201eDie W\u00e4lder und die Stimmen der Balls\u00e4le\u201c; das am st\u00e4rksten prosaische Kapitel des Buchs. Hier finden sich beispielsweise keine elliptischen Formen; es sind in der Regel ganze S\u00e4tze. Das nimmt ihnen nichts an Qualit\u00e4t, doch die Wahl des Enjambements wirkt manchmal willk\u00fcrlich. Erst sp\u00e4ter im Buch stellt sich ein \u201eSound\u201c ein, dort wo die Form sich mehr in das Wesen des Lyrischen wagt, mehr Weglassung zul\u00e4sst und die Andeutung in den Vordergrund tritt zu Lasten der Erkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>An den ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten expressionistischen Roman <em>Hunger<\/em> des Nobelpreistr\u00e4gers Knut Hamsun musste ich denken, als ich beim Gedicht \u201eKaum\u201c dieses Motiv fand \u2013 doch wie grunds\u00e4tzlich verschieden zu Hamsun fungiert es hier.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><em><strong>Kaum<\/strong><\/em>\n\nMan braucht kaum noch zu essen,\nnur noch den Abend erreichen\nund keinen Hunger sp\u00fcren.\nDa reicht auch vegan oder Sand.\nHunger deutete auf vieles hin.\n\nManche kommen mit wenig aus.\n\u00dcberall noch Stunden. Wer kann noch rechnen?\nMan muss nur den Abend erreichen,\nirgendwie, und noch ans Leben denken.<\/pre>\n\n\n\n<p>Orientierungsloses Taumeln durch die Zeit. Der Hunger \u2013 ein Garant daf\u00fcr, von einem Willen zu sprechen \u2013 droht verspielt zu werden. Wollen und k\u00f6nnen wir den Stab des Lebens nicht mehr weiterreichen? Gibt es keine L\u00f6wen mehr, die verzweifelt br\u00fcllen angesichts dieser Ersch\u00f6pfung? Kaum noch zu essen, kann bedeuten in eine aufzehrende Askese einzugehen, keine meditativ-befreiende, sondern eine sedierte Stille, die einen Ruhepuls von unter 70 Schl\u00e4gen pro Minute anzustreben scheint. Dort aber riskiert der Mensch den fr\u00fchen Herztod.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Poetische Erstversorgung<\/h4>\n\n\n\n<p>Dabei streben auch diese Gedichte immer wieder danach, die L\u00fccken zu identifizieren und poetisch zu verschlie\u00dfen. Wie sonst lie\u00dfe sich eines der sch\u00f6nsten Gedichte beschreiben, wenn nicht als Versuch, die allzu eng gesetzten Grenzen innerer Wirklichkeit sprachlich zu sprengen und einen Raum zu schaffen f\u00fcr ein wenig Bewegung:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><em><strong>Zentren<\/strong><\/em>\n\nLass uns in den Zentren sein.\nHier altert der Himmel wie Fl\u00fcsse in Tunneln,\ndie Gespr\u00e4che verfallen nicht\nso schnell. Wo H\u00e4user stehen,\nfinde ich \u2013 den Zaun und den Abend sch\u00f6n.\n\nAn den R\u00e4ndern hallen die Erinnerungen zu lange nach.\nLass uns breite Gehsteige mit harten Abs\u00e4tzen\nBegehen, Krawatten tragen, hinter den Schaufenstern Mauern\nansehen und abends die Kinder verklagen.<\/pre>\n\n\n\n<p>Mehrfach ist im Buch das Wort \u201eRand\u201c zu entdecken und vielfach \u201eErinnerung\u201c. Sie wird geradezu beschworen. Das Erinnern k\u00e4mpft, denn die Beobachtung bleibt fl\u00fcchtig und verd\u00e4chtig. Einmal meint man etwas \u00fcber Eisler zu erfahren, der einen Blumenladen in Montevideo er\u00f6ffnet. Da mag man an den Exilanten Georg Eisler (eigentlich Georg Eisler von Terramare) denken, der in S\u00fcdamerika dem Zugriff der Nationalsozialisten entkommen ist. Die Indizien bleiben indes vage. Erf\u00e4hrt man etwas \u00fcber diesen Fl\u00fcchtling oder bleiben wir in der Position derjenigen, die die Wirklichkeit nur vor\u00fcberzuziehen vermeinen ohne Zugriff? Diese Beobachtungen schaffen fortw\u00e4hrend Fragmente, sie entziehen sich konsequent einem Plan und machen einem bewusst, wie absurd der Anspruch ist, sie zusammensetzen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar erweist sich der Autor als Kosmopolit, der seinen poetischen Fu\u00dfabdruck auf die Lofoten genauso zu setzen wei\u00df wie auf Neufundland, doch in den Mittelpunkt r\u00fccken spanische und lateinamerikanische Bez\u00fcge. Immer wieder ist es die Stadt der (vermeintlich) \u201eguten L\u00fcfte\u201c: Buenos Aires bildet den Schauplatz von Suchen, Verpassen und manchmal auch Erhaschen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Tanz auf der B\u00fchne der Erdgeschichte<\/h4>\n\n\n\n<p>Es ist nach der Lekt\u00fcre keine gro\u00dfe \u00dcberraschung, dass Pellmann neben Germanistik und Geschichte auch Hispanistik studiert hat. Er hat 2021 eine umfassende Studie \u00fcber den Tango im Verlag Dr. Kova\u010d ver\u00f6ffentlicht. Der \u00fcber 530 Seiten starke Band untersucht den Tango auch als Ausdruck einer Weltflucht. Das spanische Wort Tanguidad bedeutet Tangogef\u00fchl. Wer \u2013 wie ich \u2013 darauf konditioniert ist, Zusammenh\u00e4nge zu suchen, der will in den Pellmann-Gedichten eine Ausstrahlung erkennen, die mit diesem Tangogef\u00fchl korrespondiert und aus welchem der ber\u00fchmte Tanz hinausf\u00fchren soll mit seinem oft aggressiv sexuellen Gestus. Pellmann formuliert weder eine politische noch eine philosophisch griffige L\u00f6sung f\u00fcr das Dilemma unseres Daseins. Aller Trost ist eine Chim\u00e4re, doch im Spiel \u2013 ob Wort, Tanz oder Karten \u2013 bewegt sich etwas und das ist gut: f\u00fcr den Moment. Denn unser Ausblick macht mutlos.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><strong><em>Gaia<\/em><\/strong>\n\nWir hatten auf die falsche\nMetaphysik gesetzt. Die Erde\nstirbt in f\u00fcnf Milliarden\nJahren. Freaks, Gespenster\nund Indianer verdampfen\nmit dem ganzen Schrott allein\nim Grill der Sonne. Wir waren,\n\nnun suchen wir verzweifelt\nnach einem anderen Sein.\nWas uns bleibt, ist, alles zu digitalisieren\nund als Radiowellen ins All \nzu jagen, in der Hoffnung\nauf einen Empf\u00e4nger.<\/pre>\n\n\n\n<p>Bis die solare Implosion einsetzt, haben wir noch eine Weile Zeit f\u00fcr B\u00fccher und f\u00fcrs genaue Lesen, etwa f\u00fcr die Leerzeile nach \u201ewir waren,\u201c \u2013 Raum genug f\u00fcr ein Atemholen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mangelware Selbstironie<\/h4>\n\n\n\n<p>An wenigen Stellen mengt sich eine ironische Note in die gefrorenen Befunde unserer zielbefreiten Existenz. Zwischen alten Traditionen zu Visionen l\u00fcckenloser Vernetzung in Form des Projektes Starlink, des von Elon Musks SpaceX betriebenen Satellitennetzwerks, pendeln wir. Diese Vision ger\u00e4t je nach Perspektive zur Utopie oder Dystopie. Doch wie auch immer sie ausf\u00e4llt, es ist klar, dass die plakativsten W\u00fcnsche keine Aussicht auf Erf\u00fcllung haben. Der Witz umh\u00fcllt f\u00fcr einen Augenblick die Wunde, die diese Gedichte kompromisslos bef\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><em><strong>Sch\u00f6nheit<\/strong><\/em>\n\nDie Sch\u00f6nheit ist das wahre Existenzproblem.\nSch\u00f6ner Hunger, sch\u00f6ne Arbeit \u2026 und dann\nrei\u00dfen wir die letzten Etagen ab, kratzen an\nden Partituren nach Essbarem. Wir sind Phagen,\ndie Starlink und Weihnachten lieben.\nDas Schlimmste ist zu wissen,\ndass wir nie mit Models schlafen werden.<\/pre>\n\n\n\n<p>Rar sind diese Fluchten in die ironisierende Selbstdistanz. Einmal hei\u00dft es, \u201eund mein Plan ist nur die Pointe\u201c. Wer so die Pointen setzt, schreibt notgedrungen ein Requiem. Bei manchen Texten kommt gar Misstrauen auf. Ist das Gedicht auf Seite 126 mit \u201eOregon\u201c wirklich richtig betitelt? Denn im Text finden sich mehrere Indizien und schlie\u00dflich als Haupthinweis das Wort \u201eOrgon\u201c selbst, dass sich dies alles auf Wilhelm Reichs Orgon-These einer universalen Energie beziehen mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Nebens\u00e4chlichkeit ger\u00e4t durch die Gedichtform in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Dann kann sie einen fahlen Beigeschmack bekommen. Es ist ein Risiko, in einem Gedicht das Wort \u201ebanal\u201c einzusetzen, vor allem wenn die Benennung genau das leisten soll und damit das Banale offensichtlich wird. Ist so ein sinnlicher Mehrwert zu gewinnen?<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><em><strong>Landregen<\/strong><\/em>\n\nMein Vater liebte Ringelnatz,\nals er kurz vorm Ende stand. Ich habe\nihn gerochen.\n\nLandregen ist uns immer unbekannt,\nweil er die Fichten mitten auf die Wege\nlegt.\n\nDie Musketiere sind real.\nDie M\u00e4nner haben Absichten.\nEs gibt Fleisch und Zigaretten.\n\nDer Rest ist banal.\nWir lauschen den russischen W\u00e4ldern.<\/pre>\n\n\n\n<p>Diese Gedichte benennen das \u00dcbel der Welt auf ihre eigene Weise, ob sie aber zur Verteidigung unserer Spezies dienen \u2013 wie dies im Klappentext behauptet wird \u2013, darf doch bezweifelt werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/tag\/fedor-pellmann\/\">Fedor Pellmann<\/a>:<\/strong><em><a href=\"https:\/\/jungundjung.at\/nur-noch-den-abend-erreichen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Nur noch den Abend erreichen.<\/a><\/em> Jung und Jung, Salzburg, 2024. 144 Seiten. Euro 23,\u2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besprechung: &#8222;Bange Stunden im All&#8220; &#8211; Alexander Peer liest Fedor Pellmann &#8222;Nur noch den Abend erreichen&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":17683,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[107],"tags":[274],"thb-sponsors":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Bange Stunden im All - Poesiegalerie<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Besprechung: &quot;Bange Stunden im All&quot; - Alexander Peer liest Fedor Pellmann &quot;Nur noch den Abend erreichen&quot;\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2024\/02\/27\/peer-besprechung-pellmann\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bange Stunden im All - 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