{"id":4257,"date":"2021-01-26T12:45:46","date_gmt":"2021-01-26T11:45:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/?p=4257"},"modified":"2021-01-26T13:59:39","modified_gmt":"2021-01-26T12:59:39","slug":"erwartungen-uebervoll-von-leere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2021\/01\/26\/erwartungen-uebervoll-von-leere\/","title":{"rendered":"Erwartungen, \u00fcbervoll von Leere"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"custom-small-subtitle wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/udo-kawasser\/\">Monika Vasik<\/a> \u00fcber den posthumen Gedichtband des zu fr\u00fch verstorbenen K\u00e4rntner Slowenen <a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/hafner-fabjan\/\">Fabjan Hafner<\/a> <\/h4>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"403\" height=\"640\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4261 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte.jpg 403w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-94x150.jpg 94w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-370x588.jpg 370w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-185x294.jpg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-20x32.jpg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-400x635.jpg 400w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover-Hafner-Fabjan-Erste-und-letzte-Gedichte-30x48.jpg 30w\" sizes=\"(max-width: 403px) 100vw, 403px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<pre class=\"wp-block-verse\">Und was hab\u2019 ich dazugewonnen?\nUnd was ist mir geblieben?<\/pre>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Schlicht ist der Titel des neuen und letzten Lyrikbands von Fabjan Hafners, der vier Jahre nach seinem Tod erschienen ist. \u201eErste und letzte Gedichte\u201c wurde nicht mehr von ihm selbst, sondern von Peter Handke zusammengestellt und gleich nach Erscheinen von einer Jury der Deutschen Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung in die Liste der Lyrik-Empfehlungen des Jahres 2020 aufgenommen. Die ersten, bislang noch un\u00fcbersetzt gewesenen Gedichte Hafners stammen ungef\u00e4hr aus den Jahren 1982-1987 und nehmen etwa Dreiviertel des Bands ein, die letzten aus den Jahren 2008-2016. Es ist eine zweisprachige Ausgabe, links die slowenischen Originale, rechts die \u00dcbertragungen von Peter Handke, der auch das Vorwort verfasst hat. Erg\u00e4nzt wird das Buch durch ein mit \u201e2019\u201c datiertes Gedicht, das der Lyriker Gustav Janu\u0161 \u2013 Hafner befasste sich einst in seiner Diplomarbeit mit Janu\u0161\u2019 Dichtung \u2013 dem fr\u00fch Verstorbenen widmete, und ein informatives Nachwort des Literaturwissenschaftlers Dominik Srienc.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group alignwide mb-30\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Copyright Suhrkamp<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Manchmal im Lesen, Schlafen oder sonst wo\nleuchtet Erkenntnis \u2013\naber ich kann dann das Gedankengeklapper\nnicht stoppen. Bei solchen Gelegenheiten\nbei\u00dfe ich mir in die Lippe, und es flie\u00dft\nBlut, denn ich habe einen Schrei unterdr\u00fcckt<\/pre>\n\n\n\n<p>Gut nachvollziehbar ist bei der Lekt\u00fcre Hafners Abw\u00e4gen jedes einzelnen Worts vor dessen Festschreibung im Gedicht, auch sein Ringen um die richtige Entscheidung zwischen sparsamem Sprechen oder Schweigen, denn Hafner wei\u00df um den Schatz des Schweigens. Was auff\u00e4llt, ist die motivische Kontinuit\u00e4t, seine Auseinandersetzung mit dem Alleinsein, mit Einsamkeit und einer tief innewohnenden Angst, seinem Verlorensein in der Welt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">und pl\u00f6tzlich empfinde ich mich so nichtig\nda\u00df ein unvorsichtiges Seufzen\nmich davontragen k\u00f6nnte<\/pre>\n\n\n\n<p>Selten gibt es Augenblicke der Leichtigkeit und des vers\u00f6hnenden Lichts:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Die Seele offen\nin der Natur\nwie neugeboren<\/pre>\n\n\n\n<p>So wie Hafner als \u00dcbersetzer ein uneitel Dienender war, der f\u00fcr jede(n) einzelne(n) von ihm \u00fcbersetzte(n) Autor*in den passenden Ton erfunden hat, klingt in diesen Gedichten ein von ihm schon in den fr\u00fchen Texten gestimmter Ton an, der von tiefer, abgr\u00fcndiger Melancholie grundiert ist und von Peter Handke behutsam \u00fcbersetzt wurde. Er bezeichnet den Vorgang seiner Ann\u00e4herung an Hafners Texte als \u201eNachbuchstabieren\u201c, an anderer Stelle als ein \u201eEntziffern\u201c, das dem \u201eRhythmus des Hafnerschen Stockens\u201c entspricht, dessen Stocken \u201edurch ein Nicht-mehr-Weiterwissen, wenn nicht gar pl\u00f6tzliches Weder-ein-noch-aus-Wissen\u201c entstand. Und er benennt die zentralen Motive in Hafners Texten, seine \u201elitaneif\u00f6rmig wiederkehrenden Anrufungen des Dunkels, der Stummheit, der Sprachlosigkeit, der Verlassenheit, des Ekels, der Angst, ja des Grauens &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Fabjan Hafner wurde 1966 in Klagenfurt geboren und schied 2016 noch nicht 50-j\u00e4hrig aus der Welt. Der K\u00e4rntner Slowene wuchs zweisprachig auf und hatte zu seiner eigenen \u201edoppelten Halbsprachigkeit\u201c ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis, wie Srienc im Nachwort schreibt. Er studierte Slawistik und Deutsche Philologie in Graz, war fr\u00fch mit dem Werk Peter Handkes vertraut und verfasste seine Dissertation zum Thema \u201eDie Abwesenheit des Anderen. Slowenien, die Slowenen und das Slowenische im Werk Peter Handkes\u201c. Hafner arbeitete als \u00dcbersetzer, Schriftsteller und Herausgeber. Als Literaturwissenschaftler setzte er sich u.a. mit Sprache als Kunstform und mit der Kunst des \u00dcbersetzens auseinander. Er war ein umtriebiger Vermittler, verantwortete rund 30 \u00dcbersetzungen in Buchform und mehr als 130 in Literaturzeitschriften. Er \u00fcbertrug Werke von Florjan Lipu\u0161, Toma\u017e \u0160alamun und Dane Zaic, machte auch zahlreiche andere slowenische Autor*innen wie Maru\u0161a Krese, Maja Vidmar oder Ale\u0161 Debeljak im deutschen Sprachraum zug\u00e4nglich und \u00fcbertrug zudem kroatische und serbische Literatur, etwa Gedichte von Ana Ristovi\u0107, ins Deutsche. Er erhielt einige Preise, etwa 2006 den \u00d6sterreichischen Staatspreis f\u00fcr literarische \u00dcbersetzung und den Wissenschaftspreis der \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Germanistik. 2014 wurde er vom slowenischen \u00dcbersetzerverband mit dem Lavrin-Preis ausgezeichnet. Ihm zu Ehren wird seit 2017 zudem der Fabjan-Hafner-Preis vergeben, mit dem \u00dcbersetzer*innen aus dem Slowenischen ins Deutsche und umgekehrt gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben all diesen Verdiensten um die Literatur von Kolleg*innen kam das eigene Schreiben wohl ein wenig zu kurz. Hafner begann fr\u00fch zu dichten, erste Texte wurden 1983 in der slowenischen Literaturzeitschrift \u201emladje\u201c ver\u00f6ffentlicht. Anders als viele zweisprachige Autor*innen schrieb Hafner seine Poesie in beiden K\u00e4rntner Landessprachen und \u00fcbersetzte diese selbst in die jeweils andere. 1988 ver\u00f6ffentlichte er seinen ersten Lyrikband \u201eIndigo\u201c auf Slowenisch, drei Jahre sp\u00e4ter folgte mit \u201eGelichter und Lichtes\u201c der erste Gedichtband in deutscher Sprache. 2001 erschien unter dem Titel \u201eFreisprechanlage \u2013 Brezrocno gavorjenje &#8211; Vivavoce\u201c eine dreisprachige lyrische Auswahl im Drava Verlag, zu der der \u00f6sterreichische Schriftsteller Alois Brandstetter anmerkte, dass es sich \u201eum epigrammatisch verdichtete, am Sprachleib laborierende Gedichte\u201c handelt, in denen \u201edas Festlegende der Sprache, das Festschreibende der Dichtung bewusst gemacht wird\u201c. Dies gilt auch f\u00fcr die Texte des aktuellen Gedichtbands. <\/p>\n\n\n\n<p>Hafner pr\u00e4sentiert sich zudem als politischer Autor, etwa im Gedicht \u201eViertes Gebot\u201c, in dem er sich mit seinem Mutter- und seinem Vaterland auseinandersetzt:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">... Die Eltern sind\nkommunizierende Gef\u00e4\u00dfe, untrennbare und unerm\u00fcdliche,\nnebeneinander im verengten Adernetz, im Blutkreis, der zuweilen\neine feine Spur l\u00e4\u00dft, \u00e4hnlich schmalen Schriftzeichen.<\/pre>\n\n\n\n<p>Zu den ber\u00fchrendsten Gedichten geh\u00f6rt jenes \u00fcber seinen Vater. Es erz\u00e4hlt von der \u201eim Meer der Unm\u00f6glichkeit\u201c nur mehr leise glimmenden Hoffnung des erwachsenen Kindes und tr\u00e4gt die Anrufung schon im Titel: \u201eAti, sag endlich, ob du mich \u00fcberhaupt h\u00f6rst\u201c:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">... Nie haben wir zwei uns viel ausgesprochen,\naber auch nicht aneinander vorbeigeredet.\nZwar habe ich nie mit ihm gesungen, aber immer gesungen\nhab ich hin zu ihm. Wahrscheinlich hat er mich geh\u00f6rt.\n\u00a0\nImmer noch warte ich, da\u00df er sagt, ob ja. Da\u00df ja.<\/pre>\n\n\n\n<p>Und so bietet der Lyrikband einen guten Einblick in das lyrische Schaffen von Fabjan Hafner. Was man sich aber bald \u00fcber die vorliegenden Gedichte hinaus zu w\u00fcnschen beginnt, ist ein Sammelband seiner Dichtungen, der es erlauben w\u00fcrde, sich umfassender mit seinen poetischen Texten auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/hafner-fabjan\/\">Fabjan Hafner<\/a>: <a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/erste_und_letzte_gedichte-fabjan_hafner_22513.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erste und letzte Gedichte<\/a>. Herausgegeben und \u00fcbertragen von Peter Handke. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2020. 119 Seiten. Euro 20,60<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monika Vasik liest Fabjan Hafners: &#8222;Erste und letzte Gedichte&#8220;, die von Peter Handke f\u00fcr Suhrkamp \u00fcbersetzt wurden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4258,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[107],"tags":[272,216],"thb-sponsors":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Erwartungen, \u00fcbervoll von Leere - Poesiegalerie<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2021\/01\/26\/erwartungen-uebervoll-von-leere\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Erwartungen, \u00fcbervoll von Leere - 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