{"id":6194,"date":"2021-04-11T10:16:41","date_gmt":"2021-04-11T08:16:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/?p=6194"},"modified":"2021-04-11T13:06:20","modified_gmt":"2021-04-11T11:06:20","slug":"das-kunstwerk-im-zeitalter-entschiedener-ahnungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2021\/04\/11\/das-kunstwerk-im-zeitalter-entschiedener-ahnungslosigkeit\/","title":{"rendered":"Das Kunstwerk im Zeitalter entschiedener Ahnungslosigkeit"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"custom-small-subtitle wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/boysen-mareike\/\">Mareike Boysen<\/a> liest das Gedicht &#8222;Vielleicht Prag&#8220; von<a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/golob-anja\/\"> Anja Golob<\/a><\/h4>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\"><strong>Vielleicht Prag<\/strong>\n&nbsp;\nAuf dem Foto eine Frau. Man sieht den Kopf, ein St\u00fcck R\u00fccken\nin dunklem Strick, mag sein, sie lehnte an der rauen\nWand am Gel\u00e4nder und der Fotograf \u00fcberraschte sie,\nrief sie, sie drehte den Kopf und bereute es im gleichen\nMoment, erkannte die List, doch es war schon zu sp\u00e4t \u2013\nguck mal her, wir haben sie, ein Foto, schwarz-wei\u00df,\nim Hintergrund links die helle Ecke eines Baus, vielleicht\nein Theaterhaus, Passanten gehen vor\u00fcber, ein Hund,\nSch\u00e4ferhund vielleicht, geparkte Autos, das dort hinten\nist wohl ein Steg, auf der H\u00f6he des Kopfes eine Art Pfeiler,\nStra\u00dfenlampen vielleicht, ein abfallender breiter Fu\u00dfweg,\nder Gro\u00dfteil von ihrem Kopf verdeckt. Am Kopf zwei\nweibliche Figuren, eine ganz in Wei\u00df, jede auf ihrem eigenen\nWeg. Hinter der Br\u00fccke eine ganz betr\u00e4chtliche Anzahl von\nB\u00e4umen, verschmierte H\u00e4user, ein Kirchturm, abgeschnitten, fern.\nDie Frau hat kurzes glattes Haar, leicht verweht, der sonnige Tag\nund der Wind zogen einen verwischten Scheitel, einige Haare\nragen mittig in die Luft. Wenn man genau hinsieht,\nentdeckt man das Punctum: zwischen vollkommenen Lippen\ndie Spitze der Zunge, die Spitze nur, ganz leicht, kaum merklich,\nwie rebellierend, aber das, was sie anschaut, legt in ihren Augen\nLiebe blo\u00df, fast anh\u00e4nglich, eine Einladung vielleicht. Wenn dieser\nMoment verrinnt, wird sie schallend lachen, ein Fluchwort rufen,\ndas sein Gegenteil bedeuten wird, die Menschen unten werden\nlebendig werden, der Hund wird bellen, ein Windsto\u00df der Frau\nin Wei\u00df den Rock hochwehen, ein Auto wird hupen,\nauf die Br\u00fccke fahren, vielleicht ein Vogel den Himmel zerteilen.\nAll das wird lang vor meiner Zeit geschehen, doch ihr Lachen wird\njahrzehntelang widerhallen, entwaffnend, die Funken in den\nAugen werden unerkl\u00e4rte Sehns\u00fcchte anfachen,\nein ertappter Blickkontakt mit der Linse wird die Tage\nder Eint\u00f6nigkeit entrei\u00dfen, entzerren. Die Frau auf dem Foto\nm\u00f6chte nicht, dass man sie fotografiert, darum gibt es keine\naktuellen Bilder, die man mitnimmt, wenn man abreist.\nDies&nbsp;<em>ist<\/em>&nbsp;das Foto, vielleicht Prag,\nwahrscheinlich vor vielen Jahren, egal \u2013\ndas einzig verf\u00fcgbare Bildnis von einer, die dir, wenn du\nkrank wirst, \u00fcber den Kopf streicht, sagt, keine Sorge, das geht vor\u00fcber,\nist bald vorbei, magst du ein Glas Wasser? Aber jemand hatte sie,\nhatte sie aufgenommen, jemand pr\u00e4gte den Moment in die Ewigkeit\nund eilte zu ihr, umarmte sie, fragte, ob sie etwas Wasser m\u00f6chte,\nk\u00fcsste sie, und beide betraten das Foto und gingen die Stra\u00dfe entlang\nzu mir, die ich weder an Prag glaube noch an die Zeit,\nvielleicht nur an eine gewisse Ahnung, aber die l\u00e4sst sich noch\nseltener fotografieren als die Frau mit der Zungenspitze,\ndiesem sensibelsten aller Seismographen der Liebe,\ntastend nach einem Riss in der Luft, um hindurch eine\ngeheime Nachricht zu senden: Mag sein, du begreifst es nicht;\nich warte hier auf dich. Vielleicht ist es Prag. Finde mich. Komm.\n\n      <em>Aus dem Slowenischen von Ur\u0161ka P.&nbsp;\u010cerne + Uljana Wolf.<\/em><\/pre>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Das Kunstwerk im Zeitalter entschiedener Ahnungslosigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das Gedicht, und das ist eine seiner wichtigsten \u00e4sthetischen Grundpositionen, kann unter keinen Umst\u00e4nden sinnvollerweise danach befragt werden, ob es Realit\u00e4t abbilde oder Fiktion sei. Dort, wo sich erz\u00e4hlende Prosa, erm\u00fcdet von einem Wahrnehmungskonzept, das Objektivit\u00e4t voraussetzt, mit dem Genrehybrid der Autofiktion behelfen muss, lehnt sich die Lyrik, rauchend, zur\u00fcck und verweist knapp auf die Anspr\u00fcche ihrer Form. Verdichtung also. Die Wahrheit der Dichtung, das gesteht man ihr zu, ist eine, die sich \u00fcber Profankategorien wie Erlebnis oder Abbild erhebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders die Fotografie: Verpflichtet dem, was sich vor ihrer Linse, dieser technischen Notwendigkeit, verh\u00e4lt, und unterworfen einem Prozess gnadenloser Demokratisierung, muss sie sich als Kunstform und Handwerk gegen den Vorwurf der Beliebigkeit behaupten. Mit der Digitalisierung ihrer Mittel hat sie au\u00dferdem den Ruf als Medium einer dokumentarischen Wahrheit, die \u00fcber das blickende Subjekt hinausreicht, eingeb\u00fc\u00dft. Die vorangehende oder nachtr\u00e4gliche Bearbeitung des Fotos ist nicht nur in sozialen Medien als \u00c4sthetisierung gesetzt. Wer vorgibt, authentisch zu sein, markiert seine Filterlosigkeit. Wer Kunst machen will, entflieht Bubbles und Zeit: mit einer Analogkamera zum Beispiel und einem Schwarz-Wei\u00df-Film.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also das Foto, um als wertstiftendes Kunstwerk wahrgenommen zu werden \u2013 und Walter Benjamin klopft l\u00e4ngst an die T\u00fcr \u2013, eines Eindrucks von \u201eEchtheit\u201c, von \u201eEinmaligkeit\u201c und \u201eUnnahbarkeit\u201c bed\u00fcrfte, lie\u00dfe sich dann \u00fcber Anja Golobs Gedicht&nbsp;<em>Vielleicht Prag<\/em>&nbsp;sagen, dass es dem verdichteten&nbsp;<em>Foto<\/em>&nbsp;dazu verh\u00e4lfe? Dass es eine \u201eAura\u201c re- oder konstruierte, die Benjamin 1931 in&nbsp;<em>Kleine Geschichte der Photographie<\/em>&nbsp;ein \u201esonderbares Gespinst aus Raum und Zeit\u201c nennt, \u201eeinmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag\u201c? Dass&nbsp;<em>Vielleicht Prag<\/em>&nbsp;\u00fcber den Anspruch&nbsp;<em>Dies&nbsp;<\/em>ist <em>das Foto<\/em>&nbsp;es als zuverl\u00e4ssigen Zeugen reetablierte und ihm so gesellschaftliche Autorit\u00e4t beschaffte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Relativierungen des Faktischen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Erz\u00e4hlgestus dieses St\u00fccks lyrischer Prosa, das sich mit dem Untertitel des umschlie\u00dfenden Bandes\u00a0<em>Anweisungen zum Atmen<\/em>\u00a0als\u00a0<em>Gedicht<\/em>\u00a0markiert, ist von einer medien\u00fcbergreifenden Rahmen-Binnen-Struktur, ist ein doppelnder: Da betrachte eine Frau ein Foto und deute es zunehmend in seiner geistigen und sinnlichen Wirkung auf sie selbst. Da apperzipiere jemand in einem inneren Monolog, der uns, Lesenden oder Apperzipierenden, zu lyrischer Prosa ger\u00e4t. Golobs ironisches Kalk\u00fcl liegt darin, dass sie die beiden verwendeten Medien gegeneinander ausspielt: Das Foto, schwarz-wei\u00df und h\u00f6chstwahrscheinlich vor-digital, das als Dokument historische Faktentreue voraussetzt, wird in seiner Beschreibung durch lyrische Prosa \u2013 selbst durch Verben getrieben und damit in ihrer Anlage deiktisch auskunftsfreudiger als die Lyrik \u2013 ihrer Eindeutigkeiten beraubt. Ihren Deutungen n\u00e4mlich versagt die Betrachtende jeden Wahrheitsanspruch, indem sie in neurotisch anmutenden Wiederholungen relativiert: Das Abgebildete\u00a0<em>ist<\/em>\u00a0nicht, sondern es\u00a0<em>mag sein<\/em>, ist\u00a0<em>vielleicht<\/em>,\u00a0<em>wohl<\/em>,\u00a0<em>eine Art, wahrscheinlich<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Leser*innen bedeutet dies, sie m\u00f6gen den Ausf\u00fchrungen eines lyrisch erz\u00e4hlenden Ichs folgen, das seinem Gegenstand gegen\u00fcber assoziativ voll\u00a0<em>Ahnung<\/em>, aber faktisch ahnungslos sei und dessen Vermutungen so subjektiv wie unzuverl\u00e4ssig bleiben m\u00fcssen. Mehr noch: das an dokumentarischer Zuverl\u00e4ssigkeit, die sich etwa als historische Recherche \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnte, kein Interesse zeigt, zumal es\u00a0<em>weder an Prag glaube noch an die Zeit<\/em>. Das Beliebigkeit als \u00e4sthetisches Prinzip einfordert, indem es alle faktischen Umst\u00e4nde als\u00a0<em>egal<\/em>\u00a0markiert. Ein Realit\u00e4tsfanatiker, wer da vermutete, dass der Autorin des Gedichts niemals das darin verhandelte Foto vorgelegen habe! <\/p>\n\n\n\n<p>Diese ungeheuerliche Annahme wird von der Kuriosit\u00e4t unterst\u00fctzt, dass sich die Vielzahl an beschriebenen Konkreta kaum in einem Bild vorstellen und, vor allem, gedanklich zusammenhalten l\u00e4sst. Schuld ist daran auch ihre Unvollst\u00e4ndigkeit. Die Figur des Pars pro Toto ergibt sich in der inneren Logik des Gedichts aus der (vermuteten) Ungestelltheit des\u00a0<em>Fotos<\/em>, aus der \u00dcberraschung seines Zustandekommens. Abgebildet sei ein Ausschnitt einer Alltagsszene an einem \u00f6ffentlichen Ort, suggerieren die gesetzten sprachlichen Zeichen. Erkennbar seien\u00a0<em>ein St\u00fcck R\u00fccken in dunklem Strick<\/em>,\u00a0<em>die helle Ecke eines Baus<\/em>,\u00a0<em>ein abfallender breiter Fu\u00dfweg,<\/em>\u00a0\/\u00a0<em>der Gro\u00dfteil von ihrem Kopf verdeckt<\/em>,\u00a0<em>ein Kirchturm<\/em>,\u00a0<em>abgeschnitte<\/em>n,\u00a0<em>fern<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bewegungen aus dem zeitlosen Raum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist die \u00fcber weite Strecken inszenierte erz\u00e4hlerische Linearit\u00e4t, die notwendigerweise artifizielle Chronik eines Aneignungsprozesses, Wirkungsspiel an sich. Der von Paul Celan einmal postulierten&nbsp;<em>Zeitlosigkeit<\/em>&nbsp;des Gedichts werden, gewisserma\u00dfen in einer Neigungstrias der Formen, das Foto,&nbsp;<em>den Moment in die Ewigkeit<\/em>&nbsp;pr\u00e4gend, und die Bildbeschreibung, landl\u00e4ufig mit der Forderung ausgestattet, es sei ihr nichts als das Pr\u00e4sens zuzumuten, zur Seite gestellt. In seiner diversen formal-temporalen Beschaffenheit liegt eine \u00e4sthetische Besonderheit in Golobs Gedicht, die sich als Programm, als Poetik der Zeit n\u00e4mlich, lesen l\u00e4sst.&nbsp;<em>Man sieht<\/em>, diese Phrase, die sich im allt\u00e4glichen Gebrauch jeder deiktischen Bedingung entledigt hat und vielmehr absolut meint, jeder k\u00f6nne dies zu jeder Zeit (an jedem Ort) sehen, wird von der Autorin semantisch reaktiviert: Das lyrisch erz\u00e4hlende Ich&nbsp;<em>sieht<\/em>&nbsp;das, was es zu sehen imstande und gewillt ist auf einer Ebene, die sich als erz\u00e4hlte Zeit der Rahmenhandlung pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend das Pr\u00e4sens des Beschriebenen \u2013&nbsp;<em>Passanten gehen vor\u00fcber<\/em>&nbsp;\u2013 ebenso wie einige Partizipialkonstruktionen und Ellipsen die statische Wirkung eines Standbildes erzielen, scheint das lebendig, was mit dem Pr\u00e4teritum als vergangen markiert ist:&nbsp;<em>sie lehnte an der rauen&nbsp;<\/em>\/&nbsp;<em>Wand am Gel\u00e4nder und der Fotograf \u00fcberraschte sie,&nbsp;<\/em>\/&nbsp;<em>rief sie, sie drehte den Kopf<\/em>&nbsp;[\u2026]. Die Passage&nbsp;<em>der sonnige Tag<\/em>&nbsp;\/&nbsp;<em>und der Wind zogen einen verwischten Scheitel, einige Haare \/ ragen mittig in die Luft<\/em>&nbsp;stellt eine mittelbare Verbindung zwischen der erz\u00e4hlten Zeit der Binnenhandlung, die vielmehr Zeitpunkt ist, und dem zuvor Geschehenen her. Die verwehte Frisur der Frau offenbart den Eingriff einer Vor-Vergangenheit, eine Spur also, nach Benjamin \u201eErscheinung einer N\u00e4he, so fern das sein mag, was sie hinterlie\u00df\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der so erwirkte Paradigmenwechsel bereitet auf eine Z\u00e4sur vor, die mit dem Satz&nbsp;<em>Wenn dieser<\/em>&nbsp;\/&nbsp;<em>Moment verrinnt, wird sie schallend lachen<\/em>&nbsp;[\u2026] eintrifft. Die&nbsp;<em>Frau<\/em>&nbsp;auf dem<em>&nbsp;Foto&nbsp;<\/em>erm\u00e4chtigt sich der Rahmenhandlung: Sie, vordergr\u00fcndig in einer analogen Fotografie, deren abgebildeter Moment zur Zeit der Betrachtung notwendigerweise l\u00e4ngst vergangen ist, schreibt die Erz\u00e4hlung im seltenen Futur fort. Ein Kunstgriff, den das lyrisch erz\u00e4hlende Ich durch die \u00dcberf\u00fchrung in den subjektiven Tempusgebrauch aufl\u00f6st:&nbsp;<em>All das wird lang vor meiner Zeit geschehen<\/em>&nbsp;[\u2026]. Die f\u00fcr die Zeitempfindung der Leser*innen relevante starke Rhythmisierung des Gedichts, das aus seinen Enjambements einen Sog entwickelt, kulminiert, schlie\u00dflich, in der Verschr\u00e4nkung von Raum- und Zeit-Ebenen:&nbsp;<em>und beide betraten das Foto und gingen die Stra\u00dfe entlang \/ zu mir&nbsp;<\/em>[\u2026].<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Subjektivit\u00e4t des Zufalls<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seine Sehns\u00fcchte lagert das lyrisch erz\u00e4hlende Ich in sein vulnerables Alter Ego\u00a0<em>du<\/em>\u00a0aus, welches krank wird und,\u00a0<em>mag sein<\/em>, nicht begreift. Gegen\u00fcber der\u00a0<em>Frau<\/em>\u00a0wandelt es sich von der Betrachterin zur Bewunderin (zur admiradora), die vor der klischeehaften Zuschreibung von m\u00fctterlicher F\u00fcrsorge einerseits und Erotik andererseits nicht zur\u00fcckschreckt. So wird die ausf\u00fchrlich erkundete sichtbare Zungenspitze als\u00a0<em>Punctum<\/em>\u00a0markiert \u2013 ein Begriff, der auf Roland Barthes und seinen 1980 erstmals erschienenen Aufsatz\u00a0<em>Die helle Kammer<\/em>\u00a0zur Fotografie verweist. Barthes schreibt darin:\u00a0\u201eDas\u00a0<em>punctum\u00a0<\/em>einer Photographie, das ist jenes Zuf\u00e4llige an ihr, das mich\u00a0<em>besticht\u00a0<\/em>(mich aber auch verwundet, trifft).\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Es sind Zufall und schamlose Subjektivit\u00e4t, die Golobs Gedicht als Gestaltungs- wie Deutungsprinzipien vor-schreibt. Die Wirkung des\u00a0<em>Fotos<\/em>, also: die Aussagekraft des Gedichts, erscheint unabh\u00e4ngig der objektiven Umst\u00e4nde \u2013 etwa davon, in welcher Stadt es sich verortet. Vielmehr besteht das Gedicht auf der wahrheitsm\u00e4\u00dfigen Einmaligkeit eines Fotos, das sich nicht rekonstruieren lassen will.\u00a0Von der\u00a0<em>Frau<\/em>, die es f\u00fcr gew\u00f6hnlich ablehne, fotografiert zu werden, sei dies\u00a0<em>das einzig verf\u00fcgbare Bildnis<\/em>. \u00dcber sie sei dies der einzig verf\u00fcgbare Text.\u00a0<em>Vielleicht<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/golob-anja\/\">Anja Golob<\/a>: &#8222;Vielleicht Prag&#8220;, in: dieselbe, <a href=\"https:\/\/korrespondenzen.at\/golob-anweisugen-zum-atmen\/\">Anweisungen zum Atmen. Gedichte<\/a>. Aus dem Slowenischen von Ur\u0161ka P.&nbsp;\u010cerne und Uljana Wolf. Wien: Edition Korrespondenzen 2018, S. 44 f.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mareike Boysen liest das Gedicht &#8222;Vielleicht Prag&#8220; von Anja Golob<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2727,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[105,271],"tags":[258,363],"thb-sponsors":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Das Kunstwerk im Zeitalter entschiedener Ahnungslosigkeit - Poesiegalerie<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2021\/04\/11\/das-kunstwerk-im-zeitalter-entschiedener-ahnungslosigkeit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das Kunstwerk im Zeitalter entschiedener Ahnungslosigkeit - 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