{"id":9944,"date":"2022-04-24T11:57:00","date_gmt":"2022-04-24T09:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/?p=9944"},"modified":"2022-04-24T18:18:06","modified_gmt":"2022-04-24T16:18:06","slug":"einstimmer-konrad-bayer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/2022\/04\/24\/einstimmer-konrad-bayer\/","title":{"rendered":"EINSTIMMER"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"custom-small-subtitle wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/mischkulnig-lydia\/\">Lydia Mischk<\/a><a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/mischkulnig-lydia\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ulnig <\/a>\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/bayer-konrad\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Konrad Bayer<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>I.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Was mich bei den gro\u00dfen Dichtern interessiert? Wie kamen sie zu ihren Ideen. Liegt dem Erfinden eine Rezeptur zugrunde, gibt es Prinzipien, die helfen gewohnte Zusammenh\u00e4nge aufzuschl\u00fcsseln, um neue zu bilden. In seinem Vortrag zur Filmkunst weist der Experimentator Peter Kubelka auf die Besonderheiten der Kunstgattung des Tonfilms hin. Die Erfindung des Filmes bedeute eine Befreiung der Naturzusammenh\u00e4nge von Ton und Bild. Darin liege die Kraft des Mediums. Bild und Ton voneinander getrennt aufgezeichnet werden miteinander beliebig kombinierbar. Die Pr\u00e4sentation der Spuren liefert aus der Erfahrung der Gewohnheit gel\u00f6ste Erz\u00e4hlung. Das Medium k\u00fcndigt den naturgegebenen Zusammenhang auf, den unsere Sinne kennen, setzt M\u00f6glichkeiten einer gestaltbaren Synthese frei, Assoziationen in Gang, und liefert den Raum f\u00fcr eine neue Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Sinneswahrnehmungen sichtbar zu machen verlangt, ihre Spuren zu sichern und eigenst\u00e4ndige Kunstgattungen mit innerer Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit und eine Grammatik der Disziplinen zu entwickeln. Diesem Regelwerk kann nat\u00fcrlich widerlaufen werden. Die \u201egebildeten\u201c Spuren des Films werden nun auf dem Schneidetisch zueinander in Rhythmik gebracht, um zu einer neuen Wahrnehmbarkeit zu gereichen. Augen und Ohren werden im Projektor zusammengebracht, dem Zuschauer pr\u00e4sentiert. Die akustischen Signale und visuellen Zeichen, auf Tr\u00e4ger gebannt, sind zu einer Einheit wieder zusammengebracht. Bild und Ton ergeben eine zeitversetzte, achronologische, wiederholte, sich kreuzende, verzerrende, ausl\u00f6schende, best\u00e4tigende Collage, montieren k\u00fcnstliche Realit\u00e4t.Das Gehirn sucht im Futter dieses Materials die Bedeutung. Diese Suche l\u00f6st den kreativen Prozess des Sortierens der Informationen aus, um die F\u00fcgung zur Sinneinheit zu vollbringen. Das Scheitern daran ist ebenfalls in Ordnung. Denn allein der Prozess des Sortierens ist der Sinn des Schaffens von Ordnung.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Spuren-System hab ich mir auch das Modell von Kubelkas Sprachtheorie erkl\u00e4rt, Zeichen von deren Bedeutung zu l\u00f6sen, sie miteinander kombinabel zu machen \u2013 umzuordnen. Die Referenz auf die Konvention bleibt erhalten, denn sonst tr\u00e4te die Differenz durch Umordnung gar nicht zu Tage. Die Literatur bedient sich der Umordnung, wirbelt die Konvention des Bild-Sprachgebrauchs durcheinander. Wie auch der Tonfilm, wenn ich einen Apfel essenden Mann sehe und dazu die Stimme einer Frau aus dem Off h\u00f6re, die \u00fcber das Individuelle spricht, als ein Mann das Gewehr z\u00fcckt, zielt und die Sonne vom Himmel schie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kino sitze man eigentlich im Kopf eines Filmemachers, sagt Kubelka. Man schaue sich eine Kopf-Montage als Projektion an. Die Hommage an die Eigenheit der separierten Aufnahme von Bild und Ton ist mit elegischem Beigeschmack versetzt, da das von ihm honorierte Gestaltungsprinzip mit den M\u00f6glichkeiten der Digitaltechnik verloren geht.&nbsp;Trennung von Bild und Ton scheint mir f\u00fcr meine Konrad Bayer Lekt\u00fcre interessant, um das Durcheinander seines Werkes in den Griff meiner Gestaltungslust zu bekommen. Ich setze mich ins literarische Kino und der Film spielt Bayers Dichtung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>der kopf des vitus behring<\/em> (1963), der erste Roman Konrad Bayers bietet ein solches Programm. Ich lese zwar die Zeilen, doch sehe und h\u00f6re ich die S\u00e4tze. Die Bilder poppen Wort f\u00fcr Wort auf, der Sound entsteht mit ihrem Fluss. Stroboskopartig verflicht sich der Text \u00fcber Vitus Bering mit mir. Ob das Lesen einen Verwandlungsprozess f\u00fcr das eigene Schreiben ausl\u00f6st? Der Sinn zersetzende Film von Isidore Izou \u201e<em>Trait\u00e9 de bave et d\u2019\u00e9ternit\u00e9<\/em> \u2013 Abhandlung \u00fcber Speichel\/Geifer und Ewigkeit\u201c, und Izou\u2019s lettristische Radikalit\u00e4t hatten mich abgeh\u00e4rtet gegen Manifeste und den Anspruch auf Total-\u00c4sthetizismus. Der Versuch, eine Notation f\u00fcr bisher nicht verschriftlichte Laute zu entwickeln, erschien mir als lustvolles Spiel und hielt mich neugierig f\u00fcr Kl\u00e4nge und mir fremde Zeichen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bilde mir ein, bei Bayer ein Zittern zu sp\u00fcren, einen Zweifel, den ich von Isidore Izou kenne, weil Sprache, selbst wenn sie Grenzen zieht, um ihre Entgrenzung zu suchen, sich nicht aufhalten l\u00e4sst, Sog zu entfalten. Sie dr\u00e4ngt nach Erz\u00e4hlung und weist \u00fcber das Kopfkino hinaus, was mir Lust auf Sprache f\u00fcr die Literatur meiner Pr\u00e4gung macht. Die Zw\u00e4nge der konkreten Poesie, der lautmalerischen und zeichenverhafteten Gesetze, erscheinen mir wie ein Korsett um den Sprachk\u00f6rper, worin gerade ihr Witz der Befreiung liegen mag. Als m\u00fcsste der z\u00fcchtigende K\u00f6rper selbst in Form gebracht, auf der Suche nach einer Sprache in der Sprache, ihren Text als Urteilsspr\u00fcche in die Sprachhaut eines Kommandeurs oder einer Kommandeurin ritzen, die sich wie in Kafkas Strafkolonie unter die Egge ihrer Foltermaschine legen. Sprache schreibt mir nicht das Urteil \u00fcber mich aus meinem Datensatz ein, sie baut meinen Identit\u00e4tsverlust aus, der mich mir fremd macht und dieses Fremde wird mir dadurch paradoxerweise wieder vertraut.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">alle unsere vorfahren haben die sprache zusammengebosselt und ihre reaktionen \ndamit einger\u00fcstet und so wurde mit der sprache alles gleich gemacht und nun ist \nalles das gleiche und keiner merkt es.<\/pre>\n\n\n\n<p>So hei\u00dft es bei Konrad Bayer im Traktat <em>der stein der weisen<\/em>, die einzige Buchver\u00f6ffentlichung zu seinen Lebzeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die titelgebende Metapher \u201eDer Stein der Weisen\u201c bricht mit der Bedeutung dieses Begriffs, welches die Essenz geballter Erkenntnis eines Geheimwissens verspricht. Bayers <em>der stein der weisen<\/em> birgt sprachspielerischen Eigensinn, um das Dichten und Leben aus den Engen des Nationalsozialismus zu rei\u00dfen.&nbsp;Die st\u00e4ndestaatliche Reetablierung mit borniert literarischer Traditionspflege war in den 1950igern Programm der literarischen Szene \u00d6sterreichs. Die exilierten Schriftsteller*innen hatten kaum Chance wieder Fu\u00df zu fassen und am literarischen Geschehen teilzuhaben. Den Dichtern der Wiener Gruppe, m\u00e4nnlich, dominant, exkludierend, wird vorgeworfen, gegen\u00fcber kaum vergangenem Leid der NS-Herrschaft, sich unsolidarisch und verdr\u00e4ngend blind gegen\u00fcber den vertriebenen j\u00fcdischen Kollegen gezeigt zu haben. Konrad Bayer ignoriert den politischen Kontext der Literatur des 1939 in Buchenwald umgebrachten Jura Soyfer, wie aus einer Stelle seines Briefes an Ida von Szigety hervorgeht. Er \u00e4u\u00dfert sich verdr\u00e4ngerisch \u00fcber die Theaterauff\u00fchrung des St\u00fcckes <em>Vineta \u2013 die versunkene Stadt<\/em>, ohne den Inhalt, die Darstellung des Vergessens und die Ausgeliefertheit des Autors mitzudenken. Der Exilforscher Konstantin Kaiser kommentiert in seinem Aufsatz \u00fcber \u201e\u00abSt\u00e4ndestaat\u00bb und Antisemitismus&#8220; in der Literatur der 50iger Jahre:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dezember 1956 besuchte der Literatur-Avantgardist Konrad Bayer eine Theatervorstellung des <em>Experiments am Lichtenwerd <\/em>in Wien; gegeben wurde Jura Soyfers Mittelst\u00fcck <em>Vineta<\/em>. Bayer schreibt dar\u00fcber in den posthum ver\u00f6ffentlichten <em>Briefen an Ida<\/em>, nachdem er sich zun\u00e4chst \u00fcber die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit der Auff\u00fchrung verbreitete:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">vineta' ist von jura soifer (glaube \u00f6sterr. jude) und nicht sehr extravagant, bef\u00fcrchte: \ngar nicht. du kennst diese tour der halbmodernit\u00e4t. humanistisch etc. schlecht, bem\u00fcht \nsich aber um das gute. beachte: das gute, das ist ja nicht das schlechteste. aber wenn \nman das wirklich auf klasse baut, wahrscheinlich unertr\u00e4glich langweilig \nund m e s a l l i a n t.<\/pre>\n\n\n\n<p>Man fragt sich, warum Konrad Bayer nicht zuerst der politischen Haltung des Autors Jura Soyfer gewahr wurde, der doch als ein deklarierter &#8218;Linker&#8216; anzusehen ist. Oder vielleicht bemerkt h\u00e4tte, dass das im November 1937 in Wien uraufgef\u00fchrte St\u00fcck in &#8222;Auseinandersetzung mit der franz\u00f6sischen Avantgarde&#8220;<sup>1<\/sup> entstanden sein k\u00f6nnte. Die Klassifikation des Autors als &#8222;\u00f6sterr. jude&#8220; geht jedoch bei Bayer allen anderen Erw\u00e4gungen voran. Die Verbindung von Skepsis gegen die humanistische Intention des St\u00fcckes mit dem Durchschauen der j\u00fcdischen Herkunft des Autors zeugt von erfolgreicher Resistenz gegen Versuche antinazistischer Reedukation. Bedeutsam scheint die Wiederkehr des Denkmotivs: Was Soyfer zu bieten hat, ist &#8222;diese tour der halbmodernit\u00e4t&#8220;, also nichts Echtes, nichts &#8222;wirklich auf klasse&#8220; Gebautes.<\/p>\n\n\n\n<p>Konrad Bayer konstatiert selbst in seiner notorischen Kleinschreibweise (wie sie die Nazis einzuf\u00fchren gedacht hatten, aber 1944 als nicht kriegswichtig fallen lie\u00dfen) zu seiner Zeit der 50iger Jahre des vorangegangenen Jahrhunderts \u00fcber die<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">situation der \u00f6sterreichischen literatur der gegenwart. \nentgegen, trotz einer reihe, vieler, ungeleugneter widerst\u00e4nde, umst\u00e4nde, ung\u00fcnste,  \nmissverst\u00e4ndnisse, hindernisse, wie sie wollen, gibt es f\u00fcr, hat die junge \n\u00f6sterreichische literatur, \u00f6sterreichische literatur der gegenwart (die nichtssagende \nkategorie entstehung  nun zu aller \u00e4rger aus vorbestimmtem titel und jetzt liegt er\nda, der bleiche spulwurm, dem sonnenlicht der bedeutung vorenthalten, hilflos am \nboden...) seit einiger zeit, zerplatzen der naturgesch\u00fctzten nachkriegsschreiber, jahren, \neine chance, g\u00fcnstige gelegenheit. ungest\u00f6rt zeigt sie sich, die, in einem unkontrollierten \nzustand wuchernder pubert\u00e4t. (R S. 15) <\/pre>\n\n\n\n<p>Konrad Bayer schuf Gedichte, Theaterst\u00fccke, Gemeinschaftsarbeiten, literarische Cabarets, Romane. Seine Produktivit\u00e4t erlaubt es sich ihn als einen gl\u00fccklichen Schreiber vorzustellen? War er von Versagensangst gequ\u00e4lt?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerhard R\u00fchm (geb. 1930), Schriftsteller, bildender K\u00fcnstler, Komponist und Proponent der Wiener Gruppe schildert:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">1951\/52 lernte ich konrad bayer durch h.c. artmann kennen. ... ich erinnere mich, dass \nkonrad bayer, der sich betont modisch elegant kleidete und sich etwas distanziert gab, \nauf mich dandyhaft wirkte - was mir nicht zusagte.  (R S. 9)<\/pre>\n\n\n\n<p>Bayer galt als exzentrisch, schillernd, modebewusst, ewig jung. Mit 32 Jahren drehte er das Stadtgas auf, vielleicht aus sadomasochistischer Lust am Experiment, war es ein Unfall oder eine Absicht \u2013 jedenfalls wurde er zu sp\u00e4t gefunden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fchm kritisiert die fr\u00fchen Gedichte und die Kurzprosa Bayers, die ihm surrealistisch gangbar, aber zu wenig konstruktiv war. R\u00fchm bezeichnet sich als &#8222;eher vom sturmexpressionismus, stramm und schwitters&#8220; kommend. (R S. 9)<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">jede zeile des radikalen literarischen expressionismus, surrealismus und dadaismus \nwurde damals unter uns gierig herumgereicht \u2013 es war schwer zug\u00e4ngliches \nmaterial. (R S. 9)<\/pre>\n\n\n\n<p>Robert Schindel (geb. 1944) beschreibt die Partizipanten der Wiener Gruppe als ehemalige HJ-Kinder, die im Nachkriegswien des Nationalsozialismus die Avantgarde nachholten. In Paris war der Lettrismus neu erstanden, die Fortsetzung dadaistischer und surrealistischer Schreibmethoden. Jean Cocteau, der Kollaboration mit den Nazis stets verd\u00e4chtigt, befeuerte die in Wien n\u00f6tige Revolutionierung restaurativer \u00c4sthetik. Die Einstellung der literarisch innovativ auftretenden Literaturzeitung <em>PLAN<\/em> (1938, 1945-1948), in der ehemalige Vertriebene bereits wieder publizierten, in der Szene aber keine Relevanz einger\u00e4umt bekamen, wurde nicht beklagt, nicht bek\u00e4mpft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiener Gruppe besch\u00e4ftigte sich mit literarischen Techniken der klassischen Moderne surrealistischer, dadaistischer Muster, bis hin zur Maschinendichtung.&nbsp;Gemeint ist, dass sich Dichtung aus einem Buchstabenfeld selbst erzeugt. Hans Magnus Enzensberger (geb. 1929) verwirklichte den Landsberger Poesieautomaten (1974), mit dessen Apparatur man Gedichte produzieren konnte. Enzensberger beurteilte die Gedichte des Apparates als Artefakte eines Automaten, der mit Klappbuchstaben Worte umschrieb und nach gewissen Regeln S\u00e4tze generierte. Diese Regeln funktionierten wie ein Programm. Es handelte sich bei Enzenbergers Poesieautomaten um eine Maschine, die ein \u201eSpiel\u201c beherrschte. Wunsch- und Albtraum w\u00e4ren eine derartige Spielmaschine, die den Autor ersetzte und Literatur an die Spiel-Syntax eines Regelsystems b\u00e4nde. Die daraus resultierenden Artefakte, Gedichte, dienten als Projektionsfl\u00e4chen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie weit man es (das Gedicht) mit Sinn aufl\u00e4dt, h\u00e4ngt vom Betrachter ab. Es k\u00f6nnen  Gedichte entstehen, die jemand was sagen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Wer nicht besser dichten kann als diese Maschine, der soll es bleiben lassen.<sup>3<\/sup><\/pre>\n\n\n\n<p>Die Frage nach einer Grenzziehung zwischen Spiel und Dichtung erweckt die Liebe zu mathematischen Reihen. Sie belegen mich mit der Zwanghaftigkeit, Muster und Regeln zu entdecken, um zu einem Rezept f\u00fcr meine Kreationen zu kommen. Sie bringen bei Bayer simples und dadurch \u00fcberzeugendes Durchdeklinieren hervor. Das Gedicht \u201efranz war\u201c liefert Wortmaterial f\u00fcr diverse Satzarten, die eine Geschichte dynamisieren:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">franz war.\nwar franz?\nfranz.\nwar.\nwahr.\nwar wahr.\nwirr.\nwir.\nfranz, wir!\nwir, franz.\nihr.\nfranz war wirr.\nwar franz irr?\nwirrwarr.\n(R S. 80)<\/pre>\n\n\n\n<p>Sieben Worte erzeugen ein Gespr\u00e4ch \u00fcber jemanden, der eine Gruppe bildet, die dar\u00fcber urteilt, wo einer irr geworden sei, und ein Wirrwarr als onomatopoetische Pointe erzeugt. Der Witz aus der Kombination von &#8222;wir, wirr, war, wahr, wirrwarr&#8220; steckt im Programm. Es l\u00f6st sich im Zeichen der Frage, ob Franz wirr war, auf und formuliert sich als Antwort. Bayer spielt mit Reimen und Prosodie m\u00e4rchenhafter Zauberspr\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">die jakobinerm\u00fctze\n\nschlanze wanze akkurranze \nschlanze banze ranze zanze\nakkuranze wau\nakkomode schlode wode\nakkomode rode mode\nokkohode code brod \n(R S. 70) <\/pre>\n\n\n\n<p>Liegt dem Klang eine Geheimsprache babylonischen Wurzelziehens oder blo\u00df das Singsang kindlicher Abz\u00e4hlreime zugrunde?<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">...\nschwilze kimmon pare kres\nento lerma krane wildis\nstire auzad flare mi\nbide laustad wantil prausek\nstari alla stari wendo\nper in kaural flendi rauso\nfunge skari flantero \n(R S. 71)<\/pre>\n\n\n\n<p>Es handelt sich um eine auditive Projektion auf Papier, eine Zustimmung an die Lautgedichte in Hugo Ball Tradition, deutet R\u00fchm. (R753 f.) Die sich distanziert gebende Contenance des Herausgebers im Kommentar zu <em>Konrad Bayer. S\u00e4mtliche Werke<\/em> (1996), birgt erschreckende N\u00fcchternheit f\u00fcr mich, die umschl\u00e4gt in Emp\u00f6rung \u00fcber die mangelnde Begeisterung f\u00fcr Bayers Lautgedicht. Es ist f\u00fcr mich ein sicheres Gehege f\u00fcr die Hingabe an Beschw\u00f6rungsrauschen, halb sink ich, halb zieht mich der Sog der Laute hin, als h\u00e4tten mich noch nie die 99 Varianten <em>Stil\u00fcbungen<\/em> (1947) von Raymond Queneau (1903\u20131976) an der Angel gehabt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich liebe banale Basal-Erfahrungen beim Lesen. Elfriede Jelineks (1946) Frauenentwertungstiraden beispielsweise, oder Schleimphrasen von Publizisten-Stereotypen aus der Feder Honor\u00e9 de Balzacs (1799\u20131850). Der R\u00fchmsche Kommentar in \u201eKonrad Bayer. S\u00e4mtliche Werke\u201c bringt mir mit keinem Wort das sinnliche Muster nahe, das Bayers\u2019 Literatur f\u00fcr mich aber enth\u00e4lt. Kubelkas Spurentheorie, Zeichen in ihrer Erscheinung von ihrer gewohnten Bedeutung zu trennen, darauf wie im Film, Bild von Ton separiert, miteinander auf sprachlicher Ebene neu zu verkn\u00fcpfen, erm\u00f6glicht das Prinzip im Roman <em>der sechste sinn<\/em> (1963) zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>II.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe zu, die Prosodie der Jakobinerm\u00fctze hat mich mit ihrer Klang-Magie gefesselt. Inhaltlich war ich verwirrt. Die Jakobinerm\u00fctze steht als Zeichen f\u00fcr Freiheit. Die rote mit einer dreifarbigen Kokarde versehene Kopfbedeckung wurde 1791\/92 nach dem heimlichen Versammlungsort des politischen Clubs um Robespierre (1758\u20131794) im Kloster Saint-Jacques in Paris benannt. Als &#8222;Jakobiner&#8220; bezeichnete man die Anh\u00e4nger des Sto\u00dftrupps der Franz\u00f6sischen Revolution (1789-1799), die ihre Terrorherrschaft mit Massakern errichteten. Der Beschw\u00f6rungsrausch des Gedichtes harmonisiert das Terreur-Regime der franz\u00f6sischen Revolution als melodischen Klang und l\u00e4sst sich vielleicht mit dem Wunsch nach Radikalit\u00e4t literarischer Manifestation der \u00f6sterreichischen 50iger Jahre, Ausbruch aus beanstandetem Mief, begr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Anagramm-Gedicht \u201eder sarg im gras\u201c (R S. 461) verhandelt die Unausweichlichkeit des Seins. Die F\u00fcgung aus \u201egras\/ sarg\/ gar\/ sag\/ arg\/ gas\u201c kann fast als Vorsehung f\u00fcr Bayers Gastod gelesen werden. Ida von Szigety (1933), Zeitzeugin und Freundin Bayers, berichtet in ihrem Buch \u201eCh\u00e8re Ida\u201c (2018) von den Umst\u00e4nden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gedicht \u201eEin Und\u201c (R S. 462) listet 38 mal untereinander \u201eEin Und&#8220; auf. Die Radikalit\u00e4t dieser Bedeutung liegt in seiner Simplizit\u00e4t. Na und? Welcher Wahrheitswert er\u00f6ffnete sich mir? Ist das Gedicht als eine Mahnung an den Anschluss \u00d6sterreichs 1938 gemeint? Die Interpretation widerlegte sich selbst, denn ich entdeckte das Gedicht im Katalog zur Wiener Gruppe als Beitrag zur Biennale in Venedig 1997 wieder. Das Gedicht \u201eEin Und\u201c f\u00fcgte sich 66 mal untereinander, diente nur als dekoratives Schriftband \u00fcber eine ganze Katalogseite. Deko also?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel konkreter Prosa, die f\u00fcr mich den Inbegriff von konkret ausmacht, findet sich in Bayers Roman <em>der sechste sinn<\/em> (1963). Eine franz\u00f6sischsprachige Textpassage von Raymond Roussels (1877\u20131933) Roman <em>Locus Solus<\/em> (1913) ist mit unscharfen Lettern abgedruckt. Die Zeichen verschwimmen buchst\u00e4blich vor den Augen des Lesers. Die verdruckte Stelle des <em>Locus Solus<\/em> wird als Illustration eines Sachverhaltes in die Erz\u00e4hlsituation gebettet. Die Protagonistin Nina ordnet die Erz\u00e4hlebene, sie mischt sich quasi in die verdruckte Stelle ein, klar und deutlich und scharf sind die Buchstaben zu lesen, als sie dem in ihrer Textebene befindlichen Leser der verdruckten Stelle von <em>Locus Solus<\/em> regelrecht zuruft:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Setz doch endlich deine Brille auf.<\/pre>\n\n\n\n<p>Der lesende Protagonist kommentiert Ninas Aufforderung mit:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">nina ist jetzt wirklich zornig geworden<\/pre>\n\n\n\n<p>und antwortet ihr dialogisch:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">\"Ich bin aber nicht weitsichtig.\"\n\"Setz deine brille auf!\" nina wollte, dass ich meine brille aufsetze. \n\"Ich kann auch ohne brille sehr gut lesen.\"\n\"Aber nicht alles!\"\nwas hat nur meine gute nina. Ich kann sehr viel ohne brillen lesen. \n(R S. 612 f.)<\/pre>\n\n\n\n<p>Die Verschmelzung von Literatur (<em>Locus <em>Solus<\/em><\/em>) und zeitgleicher Wirklichkeit (Lesen, Verstehen, Reden) kann entz\u00fccken. Die narrative Leistung der Schrift legitimierte sich durch ihr Erscheinungsbild. Die Lekt\u00fcre hielt, was sie zu sein behauptete \u2013 ein Locus Solus. Verdruckt, unscharf, defizit\u00e4r und wahr, aus jeder Perspektive. Ich befand mich im Kopf des Protagonisten, Franz Goldenberg, den ich gleichzeitig von au\u00dfen, also mit seinen Augen sehen konnte, was er sah und wie er sah. Konkrete Darstellung von Weitsichtigkeit im Text, w\u00e4hrend ich Aussagen dazu weiterlas, ohne \u00fcber plumpe Illustration von Weitsichtigkeit zu stolpern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiener Gruppe (R\u00fchm, Achleitner, Wiener, Bayer \u2013 inwieweit Artmann dazugeh\u00f6rte, oder nur Gast war, wird debattiert) betreibt Sprachskeptizismus der 50iger Jahre. Nie ist Sprache Abbildung, fungiert daher eher als Parodie von Zielstrebigkeit. Sprache wird aus dem Zusammenhang gerissen, montiert und dem&nbsp; \u201einventionismus\u201c zugeschrieben. &#8222;systematisierung der alogischen begriffsfolgen des radikalen surrealismus&#8220; wurde laut R\u00fchm (S. 357) verfolgt. Die zertr\u00fcmmerten Merkmale eines Textes entfalteten seine sonderbare Wirkung.&nbsp;Bayer laborierte mit dem Verdacht, dass Sprache an sich bedeutungslos sei, erzeuge diese nur durch die Konstellation eines Kontextes. Lediglich die &#8222;Neueinsch\u00e4tzung der M\u00f6glichkeit (der Sprache) innerhalb der ihr aufgeworfenen Grenzen&#8220; mache Kommunikation m\u00f6glich, meint R\u00fchm in seinem Vorwort zu Bayer. In verbieterischer Geste wehrt sich Bayers Sprache gegen das Verstehen von Regeln. In seinem beistrichlosen Theatertext &#8222;Idiot&#8220; (R S. 250) wird gepoltert:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">habe ich dir erlaubt dir aus meinem gerede irgendeinen beistrich herauszunehmen und \nf\u00fcr dich irgendein verst\u00e4ndnis zusammenzukleistern?<\/pre>\n\n\n\n<p>Idiot zu sein, hei\u00dft es an anderer Stelle, bedeute, bei sich selber zu sein. Kann ein solches Dictum helfen, sich dem Gruppenzwang zu entziehen? Elfriede Gerstl (1932\u20132009) eine Zeitgenossin und Randfigur beschreibt die M\u00e4nnertruppe in ihrem Essay \u201eBoheme\u201c (Gerstl S. 34 f.) als die<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">... geniale Firma \u201eWiener Gruppe\u201c mit ihren Spezialisten: durch ihre feste Bindung an \ndie von ihr verneinte kleinb\u00fcrgerliche Angestellten\/Dienstleistungs-Kultur und den Gestus\nder \u00dcberlegenheit darob.<\/pre>\n\n\n\n<p>Gerstl war kein einziges Mal im exklusiv avantgardistischen Art-Club, der seit 1952 nicht mehr f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich war, wie sie schreibt. Als unbekannte junge Schriftstellerin h\u00e4tte sie einen Schlepper gebraucht, um eingeschleust zu werden. In der Fibel \u201estarker Toback\u201c (1963), Punkt 45, \u00fcber den Umgang mit UNS, legten Konrad Bayer und Oswald Wiener (1935\u20132021) Verhaltensregeln f\u00fcr Frauen und M\u00e4nnern im Umgang mit den Avantgardisten fest: &#8222;1.Immer gr\u00fc\u00dfen, aber nicht auff\u00e4llig! 2. Wegschauen, wenn man nicht beachtet wird. 3. Wenn Frau, dann sehr h\u00f6flich sein! 4. Unaufgefordert schweigen! 5. Wenn Mann, dann immer h\u00f6flich sein! 6. Bescheiden sein! 7. Sehr nachdenken!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Bayers Zweifel am Gestus dieser Herr-Knecht, Mann-Frau-Mentalit\u00e4t wachsen musste, wundert nicht. Tradierte Gewalt kann nicht die Harmonie der gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche niederrei\u00dfen. Die Empf\u00e4nger der Anweisungen sollten sich schlie\u00dflich unterwerfen, so Robert Menasse (1954), der nachweist, dass sich die Wiener Gruppe an totalit\u00e4re Gewalt herantastete (<em>Sozialpartnerschaftliche \u00c4sthetik<\/em>, S. 93). Dressurakte wurden verrichtet. Die j\u00fcdische Jung-Schriftstellerin Elfriede Gerstl wohnte den \u201eactes de dressage\u201c in den literarischen Cabarets nicht-j\u00fcdischer M\u00e4nner mit HJ-Erfahrung bei. Sie beschreibt eher sp\u00f6ttisch, wenn auch beeindruckt, von den Besuchen dieser literarischen Cabarets in Essays und den dem Roman <em>Spielr\u00e4ume<\/em> (1993).<\/p>\n\n\n\n<p><br>Andreas Okopenkos (1930\u20132019) gro\u00dfartiger Roman <em>Kindernazi<\/em> (1996) spielte mir die Rezeptur f\u00fcr Literatur zu, die unheimliches Erfahrungswissen thematisiert: Keine Gnade mit sich selber. \u00dcbung in Reflexion und Genauigkeit in der Wiedergabe von Epsioden historisch relevanten Erlebens eines Kinderzeugens werden literarisch verarbeitet. Bayer l\u00e4sst keine Kindernazis aber Matrosen, Kasperl, Napoleon und Max Ernsts Lion de Belfort (aus dem surrealistischen Collageroman von 1934: <em>Une semaine de bont\u00e9 ou Les septs \u00e9l\u00e9ments capitaux<\/em>) auftreten. Sprachverspielte, synthetisch gebastelte Funktionstr\u00e4ger werden geschaffen, Br\u00e4utigall und Annonymphe, ein Liebepaar auf des Meeres Lebensdauerwellen erdichtet, der Forscher Vitus Bering, ein in russischen Diensten stehender Marineoffizier und Entdecker, d\u00e4nischer Herkunft, liefern das Kopfstimmenkino Konrad Bayers. Die Gro\u00dfe Nordische Expedition des Vitus Bering (1733\u20131743) gilt als aufw\u00e4ndigste Forschungsreise im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts. Der Verschlei\u00df an Mensch und Material war enorm, K\u00e4lte und Verrohung zugunsten wissenschaftlichen Pragamitismus&#8216; und Forscherdrangs schlugen sich Bahn. Bayer verwandelt die Expedition in ein experimentelles, multiperspektivisches Sprachkunstwerk, das kalt, pr\u00e4zise, gebrochen, assoziativ ist. &#8222;gegen ende&#8220;, so Bayer, &#8222;soll das ganze auch sprachlich vereisen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Figuren sind stereotyp. Ihre Distanz zu sich selber zeichnet sie kalt und dissoziiert, als st\u00fcnden sie wie Sprecher neben ihren K\u00f6rpern. Ihr schr\u00e4ger Sinn f\u00fcr den Unsinn ergibt den Witz f\u00fcr das Geschehen.&nbsp;Im zweiten Roman Bayers <em>der sechste sinn<\/em> wird ein Herd aus Holz gebaut, um Wasser darauf zu erhitzen. Alles verbrennt und das gekochte Wasser l\u00f6scht dann das Feuer. Die Absurdit\u00e4t wird&nbsp; aus den Widerspr\u00fcchen generiert.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">dobyhal kam r\u00fcber. \"ich habe einen ofen gebaut,\" keuchte er vor erregung. \nNina und ich gingen hin\u00fcber. der ofen war ganz aus holz. er machte feuer \nund der ofen verbrannte. die suppe ergoss sich ins feuer. \n(R S. 615)<\/pre>\n\n\n\n<p>Der Sachverhalt ist klar, die Bedeutung w\u00f6rtlich zu nehmen. Der Autor verwebt die Umst\u00e4nde zur Entsorgung eines Ofens. Bayers beherrscht das Gef\u00fchl f\u00fcr Komik und damit deren Dramaturgie. Figuren kapieren nicht, was sie sagen. Die Fallh\u00f6he ihres Begehrens, sie m\u00f6chten klug sein, ist daher gro\u00df. Genau wie die Commedia dell&#8217;Arte verf\u00fcgen die Wiener Stegreif-Spiele im 18. Jahrhundert \u00fcber Stereotype und bildeten den besondere Charakter des Hanswurst, den Kasperl, heraus. Er bringt mit seinem Chaotismus die Ideologie st\u00e4ndischer Hierarchien durcheinander, zerrei\u00dft  &#8222;jede tradierte Dramenpoetik mit ihren wirkungs\u00e4sthetischen Anspr\u00fcchen&#8220; (Zeyringer S. 68, <em>Sonnleitner in Haswurstiaden<\/em>, 1996, S. 352f. zitierend).<\/p>\n\n\n\n<p>Bayer n\u00fctzt die Form der Stegreifburleske f\u00fcr eine wilde Theatralik, die den dramaturgischen Rahmen sprengt. Regieanweisung wird zum Dialog und umgekehrt.&nbsp;Die Technik der Losl\u00f6sung von \u00fcblicher Verwendung der Textsorte mixt Konrad Bayer in den 1950\/60 Jahren mit R\u00fcckgriff auf die Figur des Hanswursts im St\u00fcck: \u201eKasperl am elektrischen Stuhl\u201c (R S.296).&nbsp;Bayer schloss damit an die Stereotypen des Kasperls, Punch und Pierrot, die die Werke der Autoren der Wiener Gruppe durchziehen, an. Die Gruppe berief sich auf das anarchistische Potential dieser Figuren und forderte Ver\u00f6ffentlichungs- und Auftrittsm\u00f6glichkeiten. Die Journalistin Dora Zeeman berichtete zum ersten Mal im NEUEN KURIER am 23. Juni 1958 von der sogenannten Wiener Gruppe (s.o).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>III.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6sterreichische Literatur der Nachkriegszeit war von ehemals v\u00f6lkischen Autoren im P.E.N Club dominiert. Das Ausweichquartier f\u00fcr Formen k\u00fcnstlerischen Ausdrucks war das Kellerlokal \u201eStrohkoffer\u201c. Zwischen den Haltungen von einem \u201eNiemals Vergessen\u201c bis \u201eHinein in die Volksdemokratie\u201c stellte er&nbsp; f\u00fcr die der Avantgarde zugez\u00e4hlten M\u00e4nner einen Lichtblick dar. Der austrofaschistische Kulturfunktion\u00e4r Rudolf Henz hatte bereits 1946 gegen die im K\u00fcnstlerhaus stattfindende Ausstellung&nbsp; \u201eNiemals Vergessen\u201c gehetzt. (Z S. 607) Sich in \u00d6sterreich gegen diese Front zu positionieren verlangte Widerstandsgeist. Aber die Stimmen der Exilliteratur blieben unber\u00fccksichtigt und damit ungeh\u00f6rt. Forum Stadtpark und Wiener Gruppe formten ihren Ausdruck gegen regressive Kulturpolitik mit dem Anschluss an die vom Nationalsozialismus unterbrochene Moderne:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">...das subventionsbuget floss weiter ausschliesslich leuten wie hofrat professor \nfelmayr f\u00fcr seine provinzilelle reihe \u201eneue dichtung aus \u00f6sterreich\u201c (bereits \u00fcber \n100 b\u00e4ndchen) im berglandverlag zu....schreibt r\u00fchm. \n(Gerhard R\u00fchm (Hrsg.): <em>Die Wiener Gruppe<\/em>)<\/pre>\n\n\n\n<p>Die kulturelle Szene in Wien war besetzt und eng. Man musste weg, man ging nach Berlin. R\u00fchm, Artmann, Wiener. Konrad Bayer nur f\u00fcr kurze Zeit, wor\u00fcber er sich in den Briefen an Ida von Szigety beklagt. Er befundet im zynisch lakonischen Pamphlet \u201eMentalit\u00e4tsbindung\u201c seine eigene vaterl\u00e4ndische Front der Ironie aus verfemten Ber\u00fchmtheiten wie dem Psychoanalytiker Sigmund Freud und dem heroischen Baumeister Fischer von Erlach. (R S. 16) Das \u00d6sterreichische sei das Wahre, Sch\u00f6ne und Gute. Pure Subjektivit\u00e4t und Ironie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">EINMANNSTAAT (besprechung mit v\u00f6lkerrechtler)\nich sitze und n\u00e4he meine fahne. ich habe erkannt, dass ich ja letztenendes\n(sich deklarieren, kann ich das, geheim, exilregierung.)\nglaubenskrieg, f\u00fcr eine \u00fcberzeugung, ein ideal k\u00e4mpfen, sollte\nkeine frage der quantit\u00e4t sondern der qualit\u00e4t sein. also auch immer gegen alle.\n(R S. 17)<\/pre>\n\n\n\n<p>Das \u00d6sterreich der 50iger bef\u00f6rderte eine Ideologie der \u201eStabilisierung nach r\u00fcckw\u00e4rts\u201c, betrieb eine entsprechende Kulturpolitik. Zur Er\u00f6ffnung der Salzburger Festspiele hielt 1950 Karl Heinrich Waggerl den Prolog \u201eLob der Heimat\u201c, eine Preisung st\u00e4ndestaatlicher Ordnung, Naturidyll beschw\u00f6rend. Der gleiche Text war unter dem Titel \u201eSonnenwendrede auf das Salzburger Land\u201c und in der Zeitschrift <em>Ewiges Deutschland<\/em> schon im Juni 1939, ein Jahr nach dem Anschluss \u00d6sterreichs an das deutsche Reich, ver\u00f6ffentlicht worden.&nbsp;(Z S. 600)<br><\/p>\n\n\n\n<p>Der erlebte Faschismus entlockte der m\u00e4nnlichen Gruppe einen Dogmatismus, der Manifeste hervorbrachte, die Mitglieder n\u00f6tigte, Unterschriften zu leisten, die&nbsp;zur &#8222;enthaltung von stellungsnahmen jeder art (Menasse zitiert Oswald Wieners &#8222;COOLEs Manifest&#8220;, S\u00c4 S. 93) dienten. Totale Unterwerfung war gefordert, um zu den Fans der Wiener Gruppe dazuzugeh\u00f6ren.&nbsp;<br>Bayer hatte seinen Platz in der Gruppe gesichert, zumindest bis man ihn wegen der &#8222;Affaire Regscheck\u201c ausgeschlossen hatte. Der von den Wiener Gruppe verachtete Maler Kurt Regscheck (1923\u20132005) stammte aus dem Kreis des phantastischen Realismus um Ernst Fuchs und Wolfgang Hutter, in deren Galerie Konrad Bayer gearbeitet hatte.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Zur beliebten Unterwerfung und Disziplinierung der Wiener Gruppe geh\u00f6rte auch die &#8222;Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes&#8220;, von HC Artmann.<em> <\/em>Disparates w\u00e4re demnach zusammenzuspannen und poetisch nutzbar anzuwenden. Das war poetischer Grundsatz. (Z S. 628) Das \u201eCOOLE Manifest\u201c wurde unterschrieben, darin wurden Kalauer als Leckerbissen gew\u00fcrdigt. Widerrede sei ausgeschlossen. (R S. 719) 1955 wurde das Manifest gegen die Wiederbewaffnung \u00d6sterreichs von HC Artmann (1921\u20132000)&nbsp; in Versform verk\u00fcndet:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Wir protestieren mit allem nachdruck\ngegen das makabere kasperltheater\nwelches bei wiedereinf\u00fchrung einer \nwie auch immer gearteten wehrmacht\nauf \u00f6sterreichischem boden\nzur auff\u00fchrung gelangen w\u00fcrde\n(Z S. 629) und (R S. 719)<\/pre>\n\n\n\n<p>Artmann war Deserteur der Wehrmacht des 2. WK. Sein Dialekt-Gedicht Band <em>Mit ana schwoazn tinten<\/em> erschien 1952, erzielte einen gro\u00dfen und bahnbrechenden Erfolg. Dem Erfolg war wohl dienlich, dass er die Desertation als Wehrmachtssoldat&nbsp; geheim halten konnte.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Arnold Sch\u00f6nberg (1874\u20131951), seit Hitlers Macht\u00fcbernahme 1933 als j\u00fcdischer Komponist in die USA emigriert, lie\u00df noch 1931 ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Wagnis moderner Musik im Rundfunk senden. Er vergleicht darin den Erfinder der Zw\u00f6lftonmusik mit einem H\u00f6hlenforscher, der durch einen engen dunklen Stollen vordringen m\u00fcsse, um unbekanntes Terrain auszuleuchten und von seinen Untersuchungen den Zur\u00fcckgebliebenen zu berichten. Niemand n\u00e4hme sonst dieses Wagnis auf sich, daher seien alle auf seine Pionierleistung angewiesen. Der Forscher stelle somit eine Minderheit zur Mehrheit dar, deren Rechte er nicht beschneiden mochte, aber deren Grenze er aufzeigen wolle, da sie nicht dazu bereit w\u00e4re, selbst zu forschen. F\u00fcr das Wagnis moderner Musik zu begegnen sei daher keine Mehrheit zu finden. In der Schiff- oder Luftfahrt erkenne die Mehrheit rasch den Nutzen solcher Unternehmungen. Obwohl von diesen \u201ePfadfindern\u201c auch die Irrsinnspfade bekannt w\u00e4ren, wendet sich die Mehrheit mit Feindseligkeit gegen die Forscher und K\u00fcnstler, die auf geistigem Gebiet ins Unbekannte vorsto\u00dfen.<sup>4<\/sup>&nbsp;Sch\u00f6nberg verteidigt das Recht des K\u00fcnstlers und mahnt bereits den Kulturauftrag der Massenmedien gegen den \u201eOhrschmaus, den die Mehrheit im Rundfunk serviert bekommen mag\u201c ein. Die Anerkennung dieser k\u00fcnstlerischen Leistungen ist in einer restaurativ dem Fremdenverkehr zuarbeitenden Kulturpolitik immer einzufordern. Kunst ist eine soziale Kategorie, die ausverhandelt werden m\u00fcsse. (vgl. R\u00fchm S. 18)<\/p>\n\n\n\n<p>IV.<\/p>\n\n\n\n<p>Konrad Bayer erforschte das Universum des Expeditionsleiter zur Nordostpassage mit dem Roman <em>der kopf des vitus bering<\/em>. Er verfolgt darin eine konsequent durchgezogene Perspektive, die das sprachliche Vereisen des Vitus Bering vorf\u00fchrt. Die historische Vorlage des in russischen Diensten stehenden Marineoffiziers und Entdeckers wurde aus historischen Quellen und Textbausteinen zu einer multiperspektivischen, assoziativ erz\u00e4hlenden Prosa komponiert. Bering leitete die Gro\u00dfe Nordische Expedition (1733\u20131743), die jahrhundertelang als aufw\u00e4ndigste Forschungsreise im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts galt. Die Sprachvereisung wird radikal durchgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konrad Bayer brach mit dem St\u00fcck \u201eKasperl am elektrischen Stuhl\u201c (R S. 296) Theaterregeln, indem er das Publikum auf die B\u00fchne setzte. Kasperl, vollzieht eine Selbstanzeige wegen der Ermordung der Ehefrau, landet im K\u00e4fig, wo er sich lieber selber hinrichtet, als von seiner pl\u00f6tzlich wieder auftauchenden Frau befreit zu werden. Absurde Dialoge feiern den Eigensinn des St\u00fcckes und ergeben eine lustvoll den logischen Verl\u00e4ufen enthobene Sprache. Kann man sich Bayer als eiskalten Zyniker denken? Die Malerin Ida von Szigety schildert den Zeitgenossen Bayer als Romantiker, mit Hang zur \u00dcbertreibung. Er holte die Geliebte mit der Kutsche ab, \u00fcberreichte mauvefarbene Handschuhe, bevor man in die Oper fuhr und hernach ins Restaurant. Bayer lebte als Bankangestellter noch bei seiner Mutter. Ein Lotteriegewinn beg\u00fcnstigte die K\u00fcnstlerschaft. Seine Beziehung mit der sehr gro\u00dfz\u00fcgigen Traudl Bayer, geb. Kober, Tochter einer reichen Kaufmannsfamilie in Wien, w\u00e4hrte bis zu seinem Tode. Er trug immer Anzug, besa\u00df dessen mehrere, auch weil er als Angestellter der Creditanstalt einem Codex entsprechen musste. Zur Erscheinung geh\u00f6rte ein Hut, den er beim K\u00fcssen angeblich abnahm wie im Film <em>Sonne halt!<\/em> (1959). Bayer spielte die Hauptrolle unter der Regie von Ferry Radax. Der Off-Ton liefert durchwegs Passagen aus dem Roman <em>der sechste sinn<\/em>, gelesen von Konrad Bayer selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eChansons\u201c Bayers finden bis heute ihre B\u00fchnenauftritte wie schon in den \u201eliterarischen Cabarets\u201c der Wiener Gruppe. Bayer spielte Banjo in der Band von Oswald Wiener und dichtete Geschichten im Stil der Moritat, getr\u00e4nkt von schwarzem Humor und todernstem Irrwitz.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">die moritat vom t\u00e4towierten m\u00e4dchen\n \nein m\u00e4dchen wollte auf der haut\ndas bildnis einer rose tragen\ndoch war sie eines spengerlers braut\nder wollte seinen vater fragen \nob man die ehre der familie\nnicht besser kleide mit der lilie.\nda lief das gute m\u00e4dchen fort,\ngab ihm zur\u00fcck sein br\u00e4utigamswort.\nsie warf sich einem herren hin...\n(R S. 89)<\/pre>\n\n\n\n<p>Der Reim ist eing\u00e4ngig, die Einf\u00e4lle sind konzentriert, die Pointen befriedigen den Genuss bis zum Schluss.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">moral: \nder wille ist ein eitler wahn\nund richtet argen schaden an \n(R S. 90)<\/pre>\n\n\n\n<p>Bayer beschreibt eine trostlose Welt, bildstark auf den disparaten Alltag reagierend, Spannung aufbauend, bis zum Bruch mit der Erwartung.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">marie dein liebster wartet schon\nmit einer stange von beton\nin seiner guten sanften hand \nim haar tr\u00e4gt er ein seidenband\n\ner schl\u00e4gt den pr\u00fcgel dir ums ohr\nda spritzt das blut gar hell empor\ndein neuer hut er ging entzwei\nihm war alles einerlei \n\n....\nnun liegst du hier und kannst nicht fort\ndie stra\u00dfe ist ein schlimmer ort\n\nzu sterben denn es schickt sich nicht\ndass man im freien augen bricht\nwarum ist diese welt so schlecht\nwarum war er so ungerecht \n(R S. 95)<\/pre>\n\n\n\n<p>Die Fassungslosigkeit eines Opfers wird s\u00fcffisant bedauert. Die Erf\u00fcllung romantischer Liebe ist in der brutalen Gesellschaft nicht m\u00f6glich. Ein volksm\u00fcndlicher Spie\u00dfer kommentiert mit letztem Zynismus,&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">dass sich das sterben nicht schickt auf der stra\u00dfe. \n(R S. 95)<\/pre>\n\n\n\n<p>Bayers Poesie liefert keine Rettung. Trost wird in S\u00fcffisanz gekehrt, deren B\u00f6sartigkeit Ausgleich h\u00f6chstens in der poetischen Sch\u00f6nheit anbietet.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">pl\u00f6tzlich ging die sonne aus\n\npl\u00f6tzlich ging die sonne aus wie eine gaslaterne\nund ein rauchpilz zischte auf. Es war nicht gar so ferne.\n\ndann trocknet mir das r\u00fcckgrat ein. Ich denk das wird heiter,\ndas kann doch bloss der anfang sein, da gings auch fr\u00f6hlich weiter.\n\nder mond fiel auf die erde drauf mit kosmischen geknalle.\nder horizont schob sich zuhauf, jetzt sitz ich in der falle.\n\nmir platzt das dritte \u00e4derchen, das blut schie\u00dft aus den ohren.\nich denk mir, liebes v\u00e4terchen, gleich kommt es aus den poren.\n\nund w\u00e4hrend mir die haut abgeht und ich mich sacht verkr\u00fcmme\nund rechts und links die welt vergeht, da h\u00f6r ich eine stimme:\n\nliebster, sag mir, liebst du mich? sag mir, lass mich\u2019s wissen.\nich, du wei\u00dft es, liebe dich, und ich will dich k\u00fcssen.  \n(R S. 96)<\/pre>\n\n\n\n<p>Bayer erlebte nicht seinen literarischen Durchbruch. Erich Fried versagte ihm den Erfolg bei der Gruppe 47. Doch fand sein Werk Lob bei Dieter E. Zimmer (1934\u22122020, mein bester Nabokov-\u00dcbersetzer). Im Nachruf auf Bayer publizierte der Autor, Kritiker und \u00dcbersetzer in der <em>Zeit<\/em> vom 23. Oktober 1964:<\/p>\n\n\n\n<p>Was er (Bayer) geschrieben hat, ist nur zu einem geringen Teil gedruckt worden, und das meiste davon mehr oder minder unter Ausschlu\u00df der \u00d6ffentlichkeit, in esoterischen Zeitschriften, Reihen und Anthologien, von denen sich der normale B\u00fccherleser nichts tr\u00e4umen l\u00e4\u00dft. Ein einziges d\u00fcnnes Buch gibt es von ihm: die pseudo-alchimistische Dichtung &#8222;der stein der weisen&#8220;, verlegt bei Wolfgang Fietkau in Berlin. Seine montierte Biographie &#8222;Vitus Behring oder die Theorie der Schiffahrt&#8220; soll noch im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr im Walter-Verlag erscheinen. Und Ledig-Rowohlt, unter den Verlegern einer, der zwar einen gro\u00dfen Produktionsapparat bedient, dem dabei aber doch die b\u00fcrokratisierten Formen des sogenannten literarischen Lebens ein Greuel geblieben sind, der sich die Sympathie bewahrt hat auch f\u00fcr abartigere Lebens\u00e4u\u00dferungen, wollte einen Kurz- Roman von Bayer ver\u00f6ffentlichen, &#8222;der sechste sinn&#8220;. Ausschnitte daraus stehen in den&nbsp;<em>akzenten&nbsp;<\/em>(1\/64) und in der ZEIT (46\/63); Bayer hatte sie im vorigen November in Saulgau gelesen, vor der Gruppe 47, die erstaunt war und vielleicht zu \u00fcberschwenglich lobte (&#8222;eine neue Kosmologie!&#8220;), als da\u00df die Reaktion ausbleiben konnte (&#8222;Kabarett!&#8220;): In diesem Jahr, in Sigtuna, soll harte Kritik an Bayer ver\u00fcbt worden sein.<sup>5<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Der Literaturbetrieb gilt als w\u00f6lfisch, er ist ein&nbsp; Menschenfresser. In <em>Magic afternoon<\/em> (1968) beschreibt Wolfgang Bauer (1941\u22122005) in Anspielung auf Konrad Bayer die Praxis t\u00f6dlicher Manipulation im Kunstbetrieb:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Charly:... da Konrad und noch einer haben ihn im Art-Club gsehn... da sagt da Konrad \npl\u00f6tzlich...wa\u00dft was, den bau ma auf...\nBrigit: Wie?\nCharly: Den bauns auf...den machens richtig...er wollt aus ihm an K\u00fcnstler machen\nund alles ....und alles so vorplanen dass er a bekannter k\u00fcnstler wird... und dass er sich \nam schluss dann umbringt...genau aufbaun...aber umbracht hat sich der Konrad und \nnet da Teddy.... <\/pre>\n\n\n\n<p>Man m\u00f6chte sich Konrad Bayer als integre Ausnahme im Kunstbetrieb vorstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>V.<\/p>\n\n\n\n<p>Ren\u00e9 Magrittes (1898\u22121967) Gem\u00e4lde \u201eL\u2019au del\u00e0\u201c (1938), auf Deutsch \u201eJenseits\u201c oder \u201eDar\u00fcber hinaus\u201c, zeigt eine Sonne in diesigem Licht. Darunter liegt auf ebenem Boden eine Grabplatte.&nbsp;<br>Die Sonne bleibt, sie lacht, sie brennt. Mehr \u201eJenseits\u201c, dem ins Auge zu sehen ist, gibt es nicht.<br>In <em>Sonne Halt<\/em>, wird die Sonne vom Himmel geschossen. Sie f\u00e4llt in die H\u00e4nde einer erotischen Eva. In einer anderen Szene beeindruckt der Mond die n\u00e4chste elegant k\u00fchle Sch\u00f6nheit. Aber sie reagiert nicht ad\u00e4quat und so bleibt der Protagonist im sch\u00f6nen Anzug ein heimatloser Matrose. Dazu ert\u00f6nt aus dem OFF der Monolog aus <em>der sechste Sinn<\/em>. Der Titel steht f\u00fcr die Programmatik des inkoh\u00e4renten Prosatextes zu den inkoh\u00e4renten Bildern des Filmes. Die Kombination \u00f6ffnet einen Raum f\u00fcr \u201eau\u00dfersinnliche\u201c Wahrnehmung, die eine scheinbar willk\u00fcrliche Textorganisation von Episoden, Anekdoten, Sprachspielen und konkret poetischen Passagen zul\u00e4sst.<br>Die Spuren von&nbsp;<em>Sonne halt<\/em>&nbsp;wurden mit der Tonspur Konrad Bayers verflochten, um &#8222;eine m\u00f6glichst vollkommene Synthese zwischen gesprochener Literatur und symbolischer  Filmform zu finden&#8220; erkl\u00e4rt in einem Interview der Regisseur Ferry Radax zur Aufgabe (Sixpackfilm).<\/p>\n\n\n\n<p>Im sogenannten &#8222;Zwischenspiel&#8220; von <em>der stein der weisen<\/em> wird ein Theaterst\u00fcck mit dem Titel \u201edie Sonne brennt\u201c zu schreiben angek\u00fcndigt. Ein Welttheater soll geschrieben werden. Die Auff\u00fchrung wird imaginiert. Das Publikum soll dazu auf der B\u00fchne und im Zuschauerraum einander gegen\u00fcber die Pl\u00e4tze einnehmen. Alle starren auf den sie trennenden Vorhang. Er soll sich heben und am Ende wird die Menschheit Aug in Aug sich selber gegen\u00fcbersitzen, hei\u00dft es. Die Ank\u00fcndigung dieses Vorhabens ist das St\u00fcck selbst. Es endet als Vorstellung der beschriebenen Auff\u00fchrung:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">hiermit ist das theaterst\u00fcck\/ \u201edie sonne brennt\u201c geschrieben.\n(R S. 524)<\/pre>\n\n\n\n<p>Im Vorwort von <em>der stein der weisen<\/em> trifft man auf eine wundersch\u00f6ne Stelle, die an den essentiellen Gehalt nicht mehr glaubt, Essentialismus als Wortspiel austreibt, aber etwas Mittiges umkreist.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">vorwort\nauftreten mehrere k\u00f6rper\njeder dieser mehrerer k\u00f6rper hat ein bewusstsein.\ndiese  mehrere bewusstsein sind unsichtbar.\n....\njedes dieses bewu\u00dftsein hei\u00dft ich \n(<em>der stein der weisen<\/em>,  S. 7\/ 520) <\/pre>\n\n\n\n<p>Im Gedicht \u201eTopologie der Sprache\u201c wird das Wortmaterial der Bauwirtschaft und mit der Einf\u00e4rbung in eine Blauwirtschaft durchdekliniert: blaustein, blauwerk, blauger\u00fcst, blaugrund, blaumeister.&nbsp; (R S. 463) Blau ist die Farbe der Freimaurer, einer dem Humanismus verschriebenen Gesellschaft, die am imagin\u00e4ren Bau der Menschlichkeit arbeitet und dazu ihre inneren rauhen Steine, die pers\u00f6nliche Unvollkommenheit, behauen, um mit ihren reflektierten Charakteren und Haltungen eine Architektur der Menschlichkeit zu errichten. Das Buch <em>Konrad Bayer: S\u00e4mtliche Werke<\/em>. <em>Herausgegeben von Gerhard R\u00fchm<\/em> (1995) entspricht in seinen Ma\u00dfen dem Format eines blauen Ziegels, es ist \u00fcberarbeitet und mit einem h\u00f6chst aufschlussreichen Kommentar vom Herausgeber versehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Roman <em>der kopf des vitus bering<\/em> erkl\u00e4rt sich der Protagonist anhand eines mechanistischen Modells die Welt. Sie ist eine Gottesmaschine aus Sprache und Schrift. Zunehmend wird die Vorstellung einer solchen Gottesmaschine absurder. Die Maschine enth\u00e4lt ein System aus Zahnr\u00e4dern, Seiltrommeln, Wasserbeh\u00e4ltern und Gewichten. Ein V\u00f6gelchen aus Metall kr\u00f6nt die Sch\u00f6pfung: &#8222;ABCD ist der gotteskasten, in welchem eine welle EF liegt. an ihr ist das rad HK befestigt,  das der gl\u00e4ubige drehen soll&#8220;. Der Gl\u00e4ubige wird in den Gotteskasten Sprache aufgenommen und wie getauft aus diesem hervorkommen<em>.<\/em> &#8222;diesen apparat hat heron sp\u00e4ter erweitert, indem er es so einrichtete, dass der gl\u00e4ubige  gleichzeitig mit dem vogelgesang aus einer verborgenen dusche mit geweihtem wasser  besprengt wurde.  (R S. 544) <\/p>\n\n\n\n<p>Wie h\u00e4tte sich Bayers Werk weiterentwickelt, w\u00e4re er nicht mit 32 schon gestorben?&nbsp;In seinem satirisch-philosophischen Traktat \u201eMenschen sind Maschinen der Engel\u201c erkl\u00e4rt Jean Paul Menschen zu Engeln und ihre Maschinen zu Menschen. Menschliche K\u00f6rper- und Sinnesfunkionen haben die Automaten \u00fcbernommen. Das Spielzeug der Sprache ist die Schreibmaschine, oder der Stift, oder die Notation, sie richtet Geschichten an und gibt dem Dichter die Allmacht der Komposition.&nbsp;Im 18. Jahrhundert waren die&nbsp;Automaten des Uhrmachermeisters Jaquet Droz in Neuchatel, Schweiz, weltber\u00fchmt. Die K\u00fcnstlerkinder konnten Klavier spielen, schreiben und zeichnen. Vielleicht hatte Konrad Bayer von ihnen geh\u00f6rt, bevor er einen Gotteskasten als Schrift-und Sprachgenerator beschrieb. Bayers Literatur umfasst also Listen, konkrete Prosa, Texte zwischen Traktat und Untersuchung, Aphoristik, und auf der Suche, wie er zu seinen Ideen kam, stie\u00df ich auf das Zitat, von dem ich die Quelle nicht mehr wei\u00df: &#8222;die wahl der figur vitus bering (ist) nur als standort zu werten, von dem aus beziehungen  hergestellt werden, wie der fischer ein netz wirft, in der hoffnung etwas zu fangen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So setzt der Dichter am Anfang einen Schlusspunkt. Jedes Werk ist eine Reise, nur Anfang und Ende sind die Angeln. Bayer sitzt als Autor im Kino seines Blickes und wirft Bilder auf die Leinwand, bis Dinge geschehen, die aufleuchten und mir ins Bewusstsein treten.&nbsp;Bayer experimentierte mit Drogen, inszenierte Situationen, bahrte sich auf, um in die Innenschau eines Toten zu kommen. Das Ausdenken der Diegesen als Universen seiner Figuren folgt keiner Psychologie, die Ereignisse und Handlungen erkl\u00e4rt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich Achleitner berichtete als Zeitgenosse von einem Gespr\u00e4ch mit Konrad Bayer, in dem dieser seine Verzweiflung und den Wunsch kundgetan hatte, einmal etwas Gro\u00dfes, Wahrhaftiges zu schreiben. Die Produktivit\u00e4t und die bereits entstandenen Werke konnten ihn nicht zuversichtlich in die Werkzukunft schauen lassen, getroffen von der harschen Kritik der Gruppe 47, sehnte er sich nach einem Werk, das nicht mehr fortgesetzt werden sollte.<sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Man ist allein beim Schreiben. Andreas Okopenko gab das beste Rezept aller Zeiten f\u00fcr Literatur preis: Eine gute Idee ist durch nichts ersetzbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bayer hatte viele gute Ideen, sie sind nachzulesen im Archiv seiner Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Fin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wien, April 2022<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Diesem Text liegt folgende Literatur zugrunde: <br><br>Konrad Bayer: <em>S\u00e4mtliche Werke<\/em>. Herausgegeben von Gerhard R\u00fchm. Wien, 1985 und 1996. In der Folge zitiert als (R Seitenanzahl) <br>Robert Menasse: <em>Die Sozialpartnerschaftliche \u00c4sthetik<\/em>. Wien 1996 <br>Klaus Zeyringer, Helmuth Gollner: <em>Eine Literaturgeschichte: \u00d6sterreich Seit 1650<\/em>. Innsbruck 2012. in der Folge zitiert als (Z Seitenanzahl)<br>Klaus Kastberger: Diplomarbeit zu Konrad Bayer, Universit\u00e4t Wien, Wien, 1986<br>Thomas Eder, Klaus Kastberger (Hg): <em>Texte, Bilder, Sounds.<\/em> Wien, 2015 <br>Elfriede Gerstl: <em>Spielr\u00e4ume<\/em>. Graz, 1993 <br>Elfriede Gerstl: <em>Unter einem Hut<\/em>. Wien, 1993 <br>Ida Szigety (Hg): <em>ch\u00e8re ida. Konrad Bayer an Ida Szigety<\/em>. Weitra, 2018 <br>Konstantin Kaiser: &#8222;\u00abSt\u00e4ndestaat\u00bb und Antisemitismus in der Literatur&#8220;, in: <em>Antisemitismus in \u00d6sterreich (1933-1938)<\/em>. Hrsg: Gertrude Enderle-Burcel, Ilse Reiterer-Zatloukal. Wien, 2018, S.415\u2212426.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">DVD <br>Peter Kubelka: <em>Film als Ereignis, Film als Sprache, Denken als Film<\/em>. Hoanzl, Wien 2002 <br>Ferry Radax. #091: <em>Sonne halt!<\/em> Hoanzl, Wien, 1959\u22121968<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\"><sup>1<\/sup> R S. 753 f.<br><sup>2<\/sup> Konstantin Kaiser: &#8222;\u00abSt\u00e4ndestaat\u00bb und Antisemitismus in der Literatur&#8220;, in: <em>Antisemitismus in \u00d6sterreich (1933-1938)<\/em>. Hrsg: Gertrude Enderle-Burcel, Ilse Reiterer-Zatloukal. Wien, 2018. S. 415 <a href=\"https:\/\/piusxi.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/p_piusxi\/2018_Artikel_Katholischer_Antisemitisums_im_Christlichen_Staendestaat_zw_theol_Praemissen.pdf\">https:\/\/piusxi.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/p_piusxi\/2018_Artikel_Katholischer_Antisemitisums_im_Christlichen_Staendestaat_zw_theol_Praemissen.pdf<\/a><br><sup>3<\/sup> <a href=\"http:\/\/www.boa-muenchen.org\/boa-kuenstlerkooperative\/hmeaut0.htm#dasprogramm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.boa-muenchen.org\/boa-kuenstlerkooperative\/hmeaut0.htm#dasprogramm<\/a><br><sup>4<\/sup> Musik, <a href=\"https:\/\/www.mediathek.at\/portaltreffer\/atom\/1B526D1C-02D-000D9-00000C60-1B5165C7\/pool\/BWEB\/ )\">https:\/\/www.mediathek.at\/portaltreffer\/atom\/1B526D1C-02D-000D9-00000C60-1B5165C7\/pool\/BWEB\/ )<\/a><br><sup>5<\/sup> Die Zeit, Hamburg, 23. Okt. 1964. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1964\/43\/erinnerung-an-konrad-bayer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.zeit.de\/1964\/43\/erinnerung-an-konrad-bayer<\/a><br><sup>6 <\/sup><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2007\/12\/D-Klassiker?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.zeit.de\/2007\/12\/D-Klassiker?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com<\/a> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:30% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"311\" height=\"420\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" data-src=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235.jpg\" alt=\"Cover der Manuskripte Nr. 235\/2022 \" class=\"wp-image-9947 size-full lazyload\" data-sizes=\"auto\" data-srcset=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235.jpg 311w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235-222x300.jpg 222w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235-111x150.jpg 111w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235-185x250.jpg 185w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235-20x27.jpg 20w, https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Cover-manuskripte-235-36x48.jpg 36w\" sizes=\"(max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der Essay <em>EINSTIMMER<\/em> von <a href=\"https:\/\/www.poesiegalerie.at\/wordpress\/autor%e2%80%91innen\/mischkulnig-lydia\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Lydia Mischkulnig<\/a> erschien in einer fr\u00fcheren Version im Rahmen einer l\u00e4ngerfristig angelegten Kooperation zwischen manuskripte und POESIEGALERIE in: <a href=\"http:\/\/www.manuskripte.at\/webshop\/product_info.php?products_id=219&amp;osCsid=kc7an7i86r78hl4btsb8s1k614\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">manuskripte Nr. 235\/2022<\/a> auf S.106-123.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;EINSTIMMER\u201c zu Konrad Bayer:<br \/>\nLydia Mischkulnig \u00fcber Konrad Bayer<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":9985,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[430,109],"tags":[451,452],"thb-sponsors":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.6 - 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