Hannah K Bründl
26 dieses land in seinen lähmenden liebesliedern, seinen verkanteten tatsachen, sagt, „sich verschauen“ dieses land in dem du nicht bist und in dem sich dem wort eben ausgesetzt wird, es wird kraus daliegen schilfernd steht ihm ein name wie jener nicht zu seine seetiefen, seine salzkammern kochen es aus brombeerhecken, die das licht löschen im schlagschatten der berge sagt man mir, ich hielte mich bloß in entsetzlichkeiten auf deine vielen sprachen, so sprich doch endlich! in die augen zu blicken versucht aber dabei bloß versehen
Hannah K Bründl schlägt in ihrem jüngsten Gedichtband „schilfern“ einen neuen, überraschenden Ton an. Höher könnte man sagen, aber genauso existenziell wie jener ihres letzten Gedichtbandes „Mother_s“. Höher und doch auch direkt und kritisch, wie im folgenden Gedicht, in dem von nichts weniger als von „diesem land“ gesprochen wird, in dem Redewendungen weiter ihren patriarchalischen Kern verdecken, in dem „salzkammern“ „kochen“ und die Berge längst als Marterwerkzeuge institutionalisiert sind, ohne dass es jemand bemerken haben möchte.
-Michael Hammerschmid

Hannah K Bründl: schilfern. Gedichte. Graz und Wien: Ritter Verlag, 2025, S. 36.
Hannah K Bründl liest am 23.4.26 um 19 Uhr beim Lyrikfestival „Dichterloh“ in der Alten Schmiede. Außerdem nimmt sie ebendort an einer Podiumsdiskussion zum Thema „poetik im futur“ teil (gemeinsam mit Theresa Luserke, Maë Schwinghammer und Michael Hammerschmid).

