Zoltán Lesi
Nussbaum Jemand will mit einer Rusalka sprechen, fürchtet die Dunkelheit und geht trotzdem in den Wald. Die Karten werden später gestickt. Irgendwo dazwischen die Vorstellung von jemanden, nur Mensch oder eben nicht. Jemand, zu dem man sagen könnte: Ich bin hier. Jemand sammelt Volkslieder, nicht um die Vergangenheit zu bewahren, wie getrockneten Beifuß, sondern damit sie weiterwachsen. Ukrainische Gedichte darf man nicht drucken. Also nimmt jemand den Namen Lesja Ukrajinka an, mit hellblauen Augen und goldenen Funken darin. Jemand neben jemandem, halb angezogen, zu müde für den Schlaf, aber nicht bereit, den Satz zu beenden. Jemand schreibt Frauen, die nicht auf Erlaubnis warten, Frauen, die trotz Bedrohung den Wald betreten. Die Karten werden später gestickt. Jemand versteht den Geist, der nicht immer am selben Ort brennt, sich vielmehr verschiebt, schwerer wird, weiter, unruhiger. Die Karten werden später gestickt.

Erschienen in:Halbwertszeit der Kühe, Rohstoffe, 88 Seiten, Euro 12,-
Der Autor liest am Samstag den 7.11.2026 um 18:50-19:05 Uhr bei der Poesiegalerie.
Cover © Rohstoffe