Traude Veran
Wir (2026)
Eigentlich bin ich völlig seiner Meinung. Jeden seiner Sätze habe ich auch schon gesagt,
jeden seiner Berichte selbst nachgeprüft. Aber …
Es ist dieses Wort. Wir. Wir müssen … Wir können doch nicht … Wir haben schon
allzu lang … Wir. Immer dieses Wir. Wer ist Wir? Er? Ich? Alle, die ihm zuhören, zunicken? Und
die andern?
Ich höre, nicke ihm nicht mehr zu. Ich weiß ohnehin alles. Erzähle es mir täglich. Sorge
mich. Und lese; lese voller Hoffnung, dass etwas geschieht. Und was geschieht? Nichts.
Alles geht weiter wie bisher. Ja, diese oder jener macht den Mund auf, fängt von neuem
damit an und endet wieder dort: Wir …
Wir und Sie. Schuld, das sind Sie. Wir sind die Leidtragenden. Was können Wir schon tun? Sie, Sie sollen
es tun, Wir lehnen uns auf, sind empört.
Aber – es muss doch etwas geschehen?
Zuschauen
Hände zusammenschlagen
weiter nichts

Zuletzt erschien: Mein Burgenland: Eine poetische Vermessung, edition lex liszt, 152 Seiten, Euro 22,-
Die Autorin liest am Samstag den 7.11.2026 um 17:15-17:30 Uhr bei der Poesiegalerie.
Cover © edition lex liszt