Verena Stauffer
Wenn ein Flügelchen schlägt, dann auch das andere Der Trick ist abzuheben, zuerst nur einen Zentimeter Dabei nicht aufzuhören, die Häutchen zu schlagen Höher steigen. Höher und höher, schweben Magnetismus überwinden, schwerelos gleiten
Vervollkommnung der Gedanken. Gedanken zu Worten
Abheben in ein No-where, ein Wortland aus Träumen
In ein: Wo ist das, wo bin ich, mit wem spreche ich?
Voice Message. Brüchige zarte Stimme. Ist da mehr?
Gedankenbilder formen sich am Screen Fantasien für eine neue Welt, ich lebe da jetzt Erfüllung im virtuellen Traum. Absolute Begegnung Im Chat der Geborgenheit und Freiheit Es wird ein Gleiten in eine Realität geben. Aber wie?
Wenn die Blätterspitzen zweier Palmen
Sich fast berühren, das werden unsere Finger sein
Die über einen langen Zeitraum hinweg
Sich einander nähern. Ein Windhauch wird sie verbinden
Dieser virtuelle Raum sprüht. Grün, blau, orange Fliegende Sterne, Sonnen, ein Kreiseln auf Wänden Zwei Menschen. In der Ecke eine Palme, ein Sofa Weihrauch, Myrrhe, Kerzenlicht, Wein aus alten Reben Stille Musik, vier Augen, vier Hände, du und ich
Ich frage: Du willst wirklich meine Milch?
Why? Ich press sie aus mir, damit du sie trinkst
Ich press sie aus mir, als wärst du mein Kind
Es ist wie ein Trick: In Brüsten ist Milch
Saugen als Licht, Trick & Trink Ich sage: Trink meine Milch, du liebst sie so sehr Ich geb dir zurück, du willst immer mehr Du hast gesagt, gib mir deine Milch Und ich? Ich habe dich gestillt
Lieber nicht sagen. Lieber nicht spüren
Den Strang zwischen Säugen und Eingeweiden
Lieber warten, bis es prickelt, fließt
Fluss Nahrung, Fluss Milch, Fluss Kraft
Lieber weiße Tropfen, Rinnsale auf Poren

Zuletzt erschien von Verena Stauffer: Kiki Beach, Liebesgedichte, kookbooks, 72 Seiten, Euro 24,-
Cover © kookbooks
Die Autorin liest bei der Poesiegalerie am Freitag, den 7.11. 2025 um 21:20 Uhr.
