Harald Gsaller
HoleHELL – Vom Aufgehen in der Landschaft (2025)
Bodo Hell gewidmet
Zweimal haben der Schriftsteller und Senner Bodo Hell und der Bildende Künstler und Autor Harald Gsaller zusammengearbeitet: 1990 liefert Hell – auf Vermittlung des Verlegers Heimrad Bäcker – für das gänzlich Gsallers vielgliedriger Foto-Text Arbeit “ “, 1989 gewidmete „neue texte Heft 43“ (Topoi: Zensur, Tabu, Auslöschung) einen Parallel-Text. Der abschließende Teil-Satz darin lautet: „Ja, auch ich habe wie Sie bei diesem Bild und bei den anderen Bildern meine Vermutungen, hüte mich aber, diese auszusprechen.“
2002 gestaltet Hell für Gsallers rhetorisch-enzyklopädisch konzipiertes Buchprojekt „Wiese“ den Anwendungs-Text „wer zieht hier/sieht hier durch“.
Wer Hell von seinen Büchern, seinen Auftritten her gekannt hat, (gar in der blauen Minute vor einem gemeinsamen Auftritt eine Flasche Meisterwurz geschenkt bekam), der weiß um ein asketisches Moment in Hell und zugleich um seine starke Zugewandtheit zur Natur (die den Menschen selbstverständlich einschließt).
Als der Autor dieser Zeilen im Herbst letzten Jahres (2024) im Netz von Bodo Hells Abgängigkeit, seinem „Verschwinden/Aufgehen in der Landschaft“ hört, meldet sich außer einer Enge um die Kehle, eine Regung spontaner Trauer, zugleich die tröstende Erinnerung an eine Zeile des in den Bergen gelebt habenden, von Taoismus und (chinesischem) Chan-Buddhismus (Zen) beeinflussten Dichters Hanshan (aus den „Cold Mountain Poems“):
„Take this old body home and hide it in the mountains!“

Seit langer Zeit schon arbeitet Gsaller an einer umfangreichen Werkgruppe zu (chinesischen) Scholar Rocks/Spirit Stones, darunter insbesondere Taihu Rocks. Diese durch Auslaugung von Kalkgestein im Lake Tai natürlich entstandenen, bizarr geformten, von vielen, vielen Löchern und Rinnen gezeichneten Steine wurden ab der Song Zeit zu begehrten Sammlerobjekten für die Schreibtische der imperialen Verwaltungs-Elite (den Literati oder Scholars). Aus der Nähe betrachtet lassen Taihus aufgrund ihrer fraktalen Struktur die Imagination (aus der Stube) ins Gebirge schweifen.
„HoleHELL“ ist ein Realisierungs-Strang aus dieser Werkgruppe.




„Take this old body home and hide it in the mountains!“
(quotation from Hanshan’s Cold Mountain Poem 36).



„HoleHELL“ Installation Rathausgalerie Steyr, Dezember 2025 bis März 2026.
Foto: W. Ebenhofer, Steyr.

„HoleHELL“ Installation Rathausgalerie Steyr, Dezember 2025 bis März 2026.
Foto: W. Ebenhofer, Steyr.

„HoleHELL“: 9-teilige Installationskonzeption.

Zuletzt erschien von Harald Gsaller: Neiguan / Taoist Meditation. Leporello Feribord 27, Hg.: Gerhard Jaschke, Wien, 2017