Janko Ferk
FRANZ K die worte sind ein geheimnis ich verliere mich in ihm sie sind ein schloss ohne schlüssel die buchstaben leben auf dem quartheftpapier als tagebücher und romane ich bin der käfer der sich nicht verwandeln kann ein gefangener in mir selber der alten stadt in der ich mich verirre hat franz keinen namen gegeben in der strafkolonie bin ich der forschungsreisende der die exekution nicht verhindert ich schreibe um mich selbst zu finden aber meine worte täuschen mich FRANZ K II die worte sind herbstblättern ähnlich genau und schwer fremd und geheimnisvoll sie erzählen von menschen und einem käfer von josefine und einem affen sie alle lässt der türhüter warten und warten und warten seine worte sind gleichzeitig kristalle und nebel sie sind leise und mächtig FRANZ K III es ist nacht in prag es kann auch tag sein er hört die moldau nicht sie flüstert aber sein blick verliert sich in schlossmauern [nachtwind scharfe risse silberne schatten] henker gehen nach dem proceß heim und verstummen wie immer und überall worte zerfallen in ihr schweigen und werden stumme archive

Zuletzt erschien von Janko Ferk: Kafka, neu ausgelegt. Originale und Interpretationen. Leykam Verlag, Graz, 2019. 112 Seiten. Euro 16,50
Cover © leykam Verlag