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Die nächste POESIEGALERIE findet vom 19. bis 21.11.2026 statt.
Lesen Sie die LYRIKEMPFEHLUNG 2025/26

 

schnee 2 

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Übersetzung

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wo sind wir uns hin 

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bus grås haud haam 

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Zwischen Karst und Meer

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Stunde 

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rückkehr von krähe 

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dees goidane weana heaz

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Porträt Daniela Chana

Eine Orange

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fehl am platz

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Zunge hineingesteckt

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NOCH EINS IST ABER

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Erwartung

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Helwig Brunner © Yola Brunner

das offene geheimnis

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Textgrafik (1)

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schnee 2 

Theresa Luserke

schnee 2


schnee schlummern durch den schnee mit bis zu den knien 
nimmer immer ausgestoßene vor eh hellhelligst erleuchteteten fen-
stern einer kirche die im schnee warten und aber so ininnerlich nach 
drinnen atmen aber in wörtern kam das des steht von außen rein 
im zugeschneit denn ein schnee ist innen verwörtert aufgefallen 
ist in eim raum halbaufen wo der schnee blingt hiereim und in mir 
in wörtern ausgefallen hakt das licht also ein von außen also aus
dann rein ist man innern fenstern also ist man einmal 
hin ist man eine kirche die im schnee watet eine innerlt harrt weil sagen 
sie die verkehrte fährte nichts allermindestens grade null singt also s 
ist wie die haflinger die vorbeitraben die halben halfen die rehen wehend 
durch schnee staken und wiesenrand und bilderfolgen ja eh nie verlangt 
haben 

Werfen wir uns in den Schnee, denn in diesem Gedicht Theresa Luserkes ist er da und er und das Gedicht tun manches, was wir wohl nicht auszudrücken imstande waren, solange wir es nicht kannten. Theresa Luserkes Dichtung ist es zweifellos um eine Erweiterung der Sprach-Denk-Vorstellungsmöglichkeiten zu tun. Das Gedicht betört schon mit seinen ersten beiden Wörtern „schnee schlummern“, es klingt, als hätten diese seit eh und je zusammengehört, alliterierend (gleichlautanlautend) und es erscheint in diesem anderen Schneezustand, in dieser (sprachlichen) Schneebewegung nur zu natürlich, dass die Wörter sich weiterformen, verformen, verändern, „denn ein schnee ist innen verwörtert aufgefallen“ und es scheint auch nur folgerichtig, dass auch ein „raum“ nach vorwärtsreimt, unrein, aber schneeen „in eim raum halbaufen“. Das ist eine große Lust und Theresa Luserke eine neue Stimme, die durchaus auch die eine oder andere Jandl’sche Reminiszenz zu wecken vermag.

-Michael Hammerschmid

Theresa Luserke: ist liegt hinterm haus. Berlin, Schupfart und Wien: roughbook 066 (hg. v. Christian Filips), 2025, S. 6.

Theresa Luserke liest am 23.4.26 um 19 Uhr beim Lyrikfestival „Dichterloh“ in der Alten Schmiede aus ihrem Gedichtband. Außerdem nimmt sie ebendort an einer Podiumsdiskussion zum Thema „poetik im futur“ teil (gemeinsam mit Hannah K Bründl, Maë Schwinghammer und Michael Hammerschmid).

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