Maë Schwinghammer
BUCH.sieben II. Verdrängung. Ich lenke mich ab und denke. Es braucht keinen samen, dieser welt entwächst ein neues geschlecht, und wir sehen dabei zu. Aus dem erdreich heben sich neue gestalten, das joch abgelegt, bestimmt zu sein, etwas bestimmtes zu sein. Kein zauber, keine magie, kein hexenwerk, alle wörter der scham verdamme, nein, verfluche ich. Wie lethe brauche ich keinen saft, um wörter zu vergessen. 111 - 158: medea.
Maë Schwinghammers „Covids Metamorphosen“ steuern den ambivalenten Punkt an, aus dem sich Fragen der Identität, des Sprachgebrauchs und -verständnisses, der Welt- und Gesellschaftsordnungen, in die wir alle verstrickt sind und die wir gestalten könn(t)en, ergeben und sei es eben durch die Sprache (von Gedichten). Maë Schwinghammer führt es vor, besser: erkundet es vor, lässt sich darauf ein, den wunden Punkt anzusehen, der auch ein Punkt der Selbstermächtigung und nicht zuletzt der wachen, offenen Metamorphose ist, um sich selbst und Andere als sich wandelnde Wesen oder Entitäten zu begreifen, wie auch die Sprache selbst, die sich auf keinen fixen Nenner bringen lässt. Wie gut das ist!
-Michael Hammerschmid

Maë Schwinghammer: Covids Metamorphosen. Wien: Klever Verlag, 2022, S. 47.
Maë Schwinghammer nimmt am 23.4.26, ab 19 Uhr, beim Lyrikfestival „Dichterloh“ in der Alten Schmiede an einer Podiumsdiskussion zum Thema „poetik im futur“ teil (gemeinsam mit Hannah K Bründl, Theresa Luserke und Michael Hammerschmid).