Mechthild Podzeit-Lütjen
Senryu, auch Haiku aus Tel Aviv. Jerusalem – Dez. 2025 sie bebt noch glocke über altstadt muezzim schmelztiegel entfacht die klagemauer schattet schirmpinien zettelt stossgebet singtauben bleuros paarweise knopfaugen im garten hospiz sacht eine holzkrippe verstaubt der via dolorosa josef war tischler damaskus gate zum jaffa new gate juden weiter mit pelzhut es regnet. hüte werden mit plastik bedeckt locken sind trocken ein junge trägt die kippa jedes kind eilt gen jerusalem hinauf perücken sichtbar der name jahwes ist ein tabu es regnet der messias kommt nicht die parusie dauert nicht ewig etwa die schokolade mit dir unvergesslich so unwiederholbar manche sätze mit tränen gethsemane berg und garten und du א-ה-ב (Aleph-Heh-Bet)* אהבה = liebe Ahava* haben wir geahnt sie aber nicht gelebt wo kommen wir hin am advent rückflug ein warten auf neue erde himmel? unser glück kein meer in tel aviv kein strand kein leuchtturm rauschen jedoch licht im ohr über mir drohne jetzt also doch zeit verbrannt es war ein ballon der kleinste vogel liebt stilvoll pirouetten pinker bougainvillea die pinken blüten leben in meiner vase so weit das auge ich bin zwei staunend am davidsberg tempeltor golden doch entgleist ein esel wartet gräber wissen vom sterben nie auferstehung

Zuletzt erschien von Mechthild Podzeit-Lütjen: Podium Porträt Nr. 109. Ausgewählte Gedichte. Herausgeberin: Erika Kronabitter. Vorwort: Gerhard Ruiss; Wolfgang Treitler. Podium 2020. 64 Seiten. Euro 6,-