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Lesen Sie die LYRIKEMPFEHLUNG 2025/26

 

FRANZ K  

  Janko Ferk

FRANZ K                                         

die worte sind ein geheimnis
ich verliere mich in ihm
sie sind ein schloss ohne schlüssel

die buchstaben leben
auf dem quartheftpapier
als tagebücher und romane

ich bin der käfer
der sich nicht verwandeln kann
ein gefangener in mir selber

der alten stadt
in der ich mich verirre
hat franz keinen namen gegeben

in der strafkolonie
bin ich der forschungsreisende
der die exekution nicht verhindert

ich schreibe
um mich selbst zu finden
aber meine worte täuschen mich

FRANZ K II

die worte sind herbstblättern ähnlich
genau und schwer
fremd und geheimnisvoll

sie erzählen
von menschen und einem käfer
von josefine und einem affen

sie alle
lässt der türhüter
warten und warten und warten

seine worte
sind gleichzeitig
kristalle und nebel

sie sind
leise
und mächtig

FRANZ K III

es ist nacht in prag
es kann auch tag sein
er hört die moldau nicht

sie flüstert
aber sein blick
verliert sich in schlossmauern

[nachtwind
scharfe risse
silberne schatten]

henker
gehen nach dem proceß heim
und verstummen

wie immer
und
überall

worte zerfallen
in ihr schweigen
und werden stumme archive

Zuletzt erschien von Janko FerkKafka, neu ausgelegt. Originale und Interpretationen. Leykam Verlag, Graz, 2019. 112 Seiten. Euro 16,50

Cover © leykam Verlag

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