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Was ich werden wollte III

Was ich werden wollte III

Hier nun der 3.Teil der eingesandten Gedichte zur Februrar-Ausschreibung als kleine Ostergabe.

Kirstin Breitenfellner

traumberuf 

das malen macht mir spaß
und werde ich gefragt
was ich denn werden soll
nehm ich den mund so voll 
 
der vorgeschmack ein fund
verquirlt den schaum beruf
verschluckt den spaß und flugs
vom pinsel in den schlund
 
mein leben schmeckt so bunt
begeistert als idee sogleich
ich mal mich traumhaftreich
 
(doch über jahr und tag)
 
der pinsel kann nur schweigen
gebiert das malen schreiben
das wort tut ihn jetzt kund
 
(es brach den pinselstab)
 
(es macht mich auch nicht satt)
 
(es ist ein raum und ruf)

Thomas Gföllner

Du sagst
ich sehe fünf Jahre älter aus –
also bin ich tausendfünf
im Kopf
Ich wollte eigentlich nur hundert werden
aber ich habe zu fest gehofft

Als Kind liebte ich Gesichter
auf Fassaden und –
egal…
Die Schwingung deiner Musik
hätte mich erreichen können
aber in meiner Unschuld 
lief ich unter Dächern
durch Straßen
taub

Hätte ich gewusst
dass es dich gibt
ich hätte dich herbeigesehnt
aber ich ahnte nichts
vom Leben
in Kristallen
und der Verwüstung
Ich war nur ein Kind

Es ist fast Mittag
und du bist gegangen
Bis du wiederkommst
vergehen Jahre

Eine Kindheit warte ich noch

Angelika Stallhofer

See Also
Ilse Kilic Porträt

Was ich werden wollte

Groß und liniert

(nicht klein und kariert) 

Michael Stavaric

was ich werden wollte

1. eindeutig astronaut, damit ich den lichtschalter, den ich
stets auf der rückseite der sonne vermutete, eigenhändig an-
und ausknipsen konnte wie mir beliebt.
2. weiterhin astronaut, um nämlich einen fischteich auf der 
oberfläche des mondes anzulegen; an das problem mit dem 
vakuum usw. dachte ich als kind nicht.
3. präziser dann: kosmonaut, weil ich zum ersten mal im radio 
der sowjetischen hymne lauschte – und der chor der 
schwarzmeerflotte bombastisch war.
4. plötzlich pilot, weil die sache mit dem
astronauten/kosmonauten doch ziemlich unrealistisch 
zu sein schien.
5. daraufhin: meeresbiologe, weil mich die tiere des ozeans 
faszinierten – und man die schwerelosigkeit auch als taucher 
erleben konnte.
6. kryptozoologe, der sich genau in der tiefsee umsah, 
um neue spezies zu entdecken (und zu benennen, zum beispiel 
„vampirkraken“).
7. ganz kurz nur: zahnarzt, weil ich künftig jeglichen
zahnarztbesuch vermeiden wollte – und mich so selbst versorgen 
könnte.
8. schriftsteller (von sachbüchern); als ich nämlich eine erste
schreibmaschine mein eigen nannte – und mich das
tastengeklapper für weiteres einnahm; ich verfasste diesbezüglich 
einen angelführer für das weinviertel (die tiefsee war schlicht zu 
fern).
9. toptennisspieler, weil ich plötzlich alle freizeit am tennisplatz
verbrachte und einige meinten, aus dem könnte ja was werden.
10. dichter, da es eine zeit gab, in der alle mädchen gedichte 
mochten.

Die POESIEGALERIE dankt den Dichter*innen für ihre tollen Texte.

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