Marko Pogacar
SAMMLER VON SONNTAGEN Ich trug den unendlichen Sonntag in meinem Herzen, wie einen verborgenen Fehler. mit jedem Schlag reifte die Zeit zu einem Gedicht: der Herbst kauerte sich in jede Ecke, schob seine Hände in die Taschen, stopfte Kastanien in Spitztüten aus alten Druckschriften. der Betrug der Blätter obsiegte. die Kastanien, immer noch heiß, drängten dem hungrigen Rachen entgegen, die Zeitungen warteten auf eine Kraft, stärker als Wind, stärker als Feuer. sie warteten auf die Hand, die sie anheben würde, als hätte sich die Sehnsucht der Welt gesammelt, in gerade mal dreien von Dingen, die wir mit alten Zeitungen verbinden: Zeitungen zusammenknüllen und in den Schuh schieben, solange dort kein Fuß ist, Zeitungen zu Hüten falten und an unbekannte Maler schicken. dann einen der Hüte, vielleicht den größten, in ein Schiff verwandeln, das ein unwirkliches Kind auf einem Bach schwimmen und in ein Land fahren lässt, wo Gott nicht unendlich ist, sondern stumm. und wo es nichts gibt. wo es nichts gibt, außer Sonntage.

Erschienen in: Glossen gegen gott, Aus dem Kroatischen von Alida Bremer, Edition Korrespondenzen, Wien, 2022.
Cover© Edition Korrespondenzen
